Bild: snaptitude - Fotolia.com

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Kautschuk hat für die meisten Experten der Branche eine Faszination. „Kautschuk ist das tollste Material, was ich kenne“, sagt Inna Stein, die als Kautschukhändlerin für  Weber & Schaer tätig ist. Im Video zur neuen Image Kampagne „We move our world“ des wdk beschreibt sie den Rohstoff so: „Er sieht unscheinbar aus, kann aber unheimlich viel.“ Sehr treffende Worte, die der „Kautschuk-Gemeinde“ ein Lächeln auf den Lippen hervorbringt. Was bereits Maya und Azteken erkannten, ist noch heute ein unverzichtbarer Rohstoff in der industriellen Gesellschaft. Moderne Fahrzeugtechnik ist nicht denkbar ohne Produkte aus Kautschuk und zahlreiche weitere Branchen können nicht auf den Werkstoff verzichten. Vom Naturkautschuk zum Synthesekautschuk hat sich allerdings einiges getan in der Werkstoffentwicklung und andere Elastomere wie Silikone und Thermoplastische Elastomere sind hinzugekommen. Einschätzungen aus der Branche dazu:

Das Gummiwerk Kraiburg ist immer bestrebt, neue Geschäftsbereiche zu eröffnen und den Einsatz von Elastomeren als High-Tech-Werkstoff zu erweitern. So hat sich gezeigt, dass die Kraibon Elastomer-Mischungen eine hervorragende Ergänzung für faserverstärkte Kunststoffe (FVK) sind und hier Nachteile dieser Werkstoffklasse ausgleichen können. Bei diesem „Werkstoff der Zukunft“ werden die auf das Material wirkendenden Kräfte in erster Linie durch die Fasern aufgenommen. Diese sind in Längsrichtung besonders belastbar, gegen Querbelastungen, wie etwa bei einem Steinschlag, allerdings relativ intolerant.

Durch die direkte Integration von Kraibon in den Lagenaufbau von FVK kann ein alternierender Aufbau aus harten und weichen Material erreicht werden, der die guten mechanischen Eigenschaften des FVK mit den guten „elastischen“ des Elastomers verbindet. Haupteinsatzgebiete sind die Verbesserung der Akustik, sowie des Impact- und Splitterverhaltens. Die Kautschukmischungen finden Ihren Einsatz in diversen Composites-Anwendungen.

Helmut Esefeld, Geschäftsführer, Gummiwerk Kraiburg, Waldkraiburg

Eine wesentliche Veränderung in den letzten Jahren ist, dass sich bei allen Produkten wachsende Anforderungen an die Medien- und Temperaturstabilität zeigen und somit die Ansprüche an Verarbeitung und Anwendungsvielfalt steigen. Speziell bei Flüssigsilikonkautschuken (LSR) wird die Palette der fließoptimierten Produkte, die eine schnellere und stabilere Fertigung ermöglichen, zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen. So gehören neben den Standardprodukten inzwischen auch temperfreie und ölausschwitzende Typen sowie Produkte mit Medizinzulassung zum Umfang der neuen LSR-Generation. Wir schätzen EPDM-Typen, die sich durch eine extrem hohe Viskosität auszeichnen und auch ohne Ölstreckung genauso gut zu verarbeiten sind wie Standard-Typen, als sehr zukunftsfähig ein.
Auch das Thema Produktivität wird immer wichtiger. Die richtige Rohstoffauswahl und -kombination kann beispielsweise Mischzeiten verkürzen, höhere Extrusionsgeschwindigkeiten erzielen und größere Füllstoff- und Weichmacher Ladungen erreichen.
Zu guter Letzt ist und bleibt ein wichtiger Innovationsfaktor das Thema Kostenreduzierung: Produkte mit einer höheren Elastizität und einem verbesserten Compression-Set weisen eine höhere Füllbarkeit unter Beibehaltung der guten Produkteigenschaften auf. Ein großes Potenzial haben Produkte, die den Spagat zwischen gestiegenen Anforderungen bei Medien- und Temperaturbeständigkeit sowie optimierten mechanischen und dynamischen Eigenschaften schaffen. Im Allgemeinen beobachten wir, dass Kautschuk, TPE und Silikon verstärkt in Wettbewerb zueinander stehen. Dennoch finden sie je nach Anforderung der Endprodukte ihren Einsatz und haben ihre Daseinsberechtigung.

Sascha Hennig, Geschäftsführer, Biesterfeld Performance Rubber, Hamburg

Die Anforderungen an die Produkte bezüglich Umwelt- und Arbeitsschutz werden immer höher. Bei der Substitution unerwünschter Substanzen wie Nitrosamine, PAKs oder auch ETU wurden hier in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt, ohne die technischen Eigenschaften zu verschlechtern.

Peter Ellinger, CEO, Compounds, Pfäffikon, Swiss

Die ersten peroxidisch vernetzten Silikon­elastomere sind in der Literatur etwa 1943 zu finden. Vielen ist gar nicht klar, dass es Flüssigsilikonkautschuk (Liquid Silicone Rubber, LSR), darunter unser Silopren LSR, erst seit den frühen 80ern gibt. Die Innovations- und Erfolgsgeschichte dieser Werkstofffamilie in den letzten zehn Jahren gibt es bei keinem anderen Elastomer-Werkstoff.

Momentive präsentierte der Fachwelt bereits auf der Fakuma 2008 das erste glasklare LSR. Ein Werkstoff mit höherer Transparenz als Polycarbonat und im Vergleich zu Kunststoffen enormer Hitze- und Strahlungsbeständigkeit. Das Thema LED für Straßenbeleuchtung oder Automobil war damals noch Zukunftsmusik, findet inzwischen aber große kommerzielle Anwendung und ist ein fortwährender Gegenstand unserer anwendungstechnischen Entwicklung in Leverkusen. Wir liefern eine Palette von weichen 5 Shore A bis zu fast spröden 90 Shore A-Werkstoffen und arbeiten gerade an der nächsten Produktgeneration.

Holger Albrecht, Vizepräsident Elastomers, Momentive Performance Materials, Leverkusen