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Von den fast 400 Mitgliedern dieser VDMA-Initiative kommen 54 Unternehmen aus dem Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen (KuG) im VDMA, der selbst mehr als 200 Mitglieder hat. Der VDMA hat daher eine Reihe dieser Unternehmen interviewt, um die praktischen Handlungsweisen dieser Unternehmen aufzuzeigen.

Zu nachhaltigem Handeln gibt es keine Alternative

Azo in Osterburken setzt auf Effizienzsteigerung in der eigenen Produktion und bei seinen Produkten. Rainer Zimmermann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, erläutert näher, wie sein Unternehmen dabei vorgeht. Das Unternehmen stellt Automatisierungsanlagen für Fertigungsprozesse in der Kunststoff-, Chemie-, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie her – vor allem für das Verarbeiten von Schüttgütern wie Pulver oder Granulat und Flüssigkeiten.

Herr Zimmermann, welchen Stellenwert hat Energieeffizienz für Sie?
Rainer Zimmermann: Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind keine Modeerscheinung. Sie sind längst ein Trend, der sich hochdynamisch entwickelt und neue Ideen freisetzt. Wir beschäftigen uns daher seit längerem mit Fragen des Umweltschutzes, mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen, mit dem Problem knapper werdender Ressourcen sowie den gesetzlichen Vorgaben. Diese Themen haben wir in der Philosophie des Unternehmens verankert. Daraus folgt für uns zweierlei: Wir entwickeln und bauen energieeffiziente
Systeme für unsere Kunden. Gleichzeitig achten wir bereits in der Fertigung im eigenen Werk auf Nachhaltigkeit. Energieeffizienz ist daher für uns ein ganzheitlicher Ansatz.

Würden sie dafür ein Beispiel geben?
Zimmermann: Im Jahr 2010 wurde unser neues Montagezentrum eingeweiht. Bereits bei der Investitionsentscheidung hatten wir uns zum Ziel gesetzt, die Energiekosten um 50 Prozent zu senken. Wir erreichten dies durch eine spezielle Hallendämmung, ein modernes Heizsystem, sowie Photovoltaikanlagen zur Energieversorgung. Die Möglichkeiten der Haustechnik bieten eine Reihe von Ansatzpunkten, deutlich effektiver zu fertigen. Diese positiven Erfahrungen mit energiesparenden Konzepten wollen wir nun auf alle anderen Bereiche des Unternehmens übertragen. Auch bei der Anschaffung einer neuen Blechschneidemaschine stand der Energieverbrauch im Fokus. Wir entschieden uns für einen Typ, der gegenüber dem Vorgängermodell bis zu 30 Prozent weniger Energie verbraucht. Beim Laserschneiden achten wir besonders auf eine optimale Belegung der Blechtafeln. Dies erlaubt eine wirtschaftliche Handhabung und senkt den Materialverbrauch enorm. Durch eine computergestützte, verbesserte Ausnutzung der Geometrieflächen sinkt die Menge an Verschnitt deutlich. Die Abwärme des Arbeitsraumes nutzen wir dazu, um das Bürogebäude im Winter zu heizen.

Welches Produkt aus dem Haus Azo spart heute am meisten CO2 ein?
Zimmermann: Das ist unser neu auf dem Markt eingeführtes Azo Shuttledos-System. Es dosiert und wiegt vollautomatisch Rohstoffkomponenten in Container. Das Ergebnis ist eine sichere Handhabung von Rohstoffen im geschlossenen System. Dies ist nicht nur umweltfreundlich, sondern entscheidet auch über die Qualität der Endprodukte unserer Kunden. Dieses Containersystem ist der absolute Renner, vor allem, weil es sehr flexibel ist. Die Rohstoffe können in Silos lagern, in Big-Bags oder Containern, aber sie können auch als Sackware angeliefert werden. Die rezepturgesteuerte Zusammenstellung der Chargen erfolgt im Vergleich zu konventionellen Systemen kontaminationsfrei, energieeffizient und ist dadurch sehr umweltfreundlich. Außerdem werden Staubemissionen verhindert. Das ist vor allem in der Nahrungsmittelindustrie wichtig, aber nicht nur dort. Diese Produktidee reduziert den Aufwand der Chargenbereitstellung für Mischprozesse bei gleichzeitiger Reduzierung der Energiekosten. Sie ermöglicht eine Energieeinsparung bis zu 60 Prozent. Neben der Energieeffizienz und der Staubfreiheit kommen weitere Vorteile hinzu: Wir haben weniger Abfall, weniger Reinigungsaufwand und einen geringeren Entsorgungsaufwand für die Verpackung.

Wie erkennen Sie Einsparpotenziale bei den Azo-Systemen?
Zimmermann: Schwachstellen im Energieverbrauch überhaupt erst zu finden und zu analysieren ist in der Tat bei so komplexen Anlagen, wie Azo sie liefert, eine besondere Herausforderung. Auch ist es grundsätzlich nicht leicht, die Anlagen voll funktionsfähig und zugleich energiesparend auszulegen. Wichtige Stellschrauben sind die Steuerungs- und Regeltechnik aber auch die Sensorik. Sie helfen dem Bediener, den Prozess zu gestalten und Automatismen zu finden. Leistungsreserven können so besser erkannt und bei Bedarf genutzt werden. Natürlich sorgt diese Transparenz auch dafür, dass wieder Energie gespart werden kann. Es dürfte auch ein Trend bei unseren Kunden sein, sehr viel präziser als früher zu arbeiten. Das betrifft Klein- und Kleinstmengenaufgaben, aber auch die Forderungen nach hinreichenden Dokumentationen. So muss ein Hersteller von flammhemmenden Compounds für Kabelummantelungen sehr genau nachweisen, woraus das Produkt besteht. Nicht zuletzt ist der Trend zur „Null-Fehler-Produktion“ ein Impuls, sehr viel genauer zu arbeiten. Auch hier helfen die Anlagensteuerungen zuverlässig.

Ist Nachhaltigkeit nur in den Industrieländern ein Thema? In vielen Schwellenländern steigt die Umweltverschmutzung immer noch stark an.
Zimmermann: Das erfahren wir anders. Das Thema Nachhaltigkeit ist inzwischen beispielsweise auch in Asien voll angekommen. Themen wie Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Umweltschutz sind mittlerweile in allen Weltregionen im Fokus. Es geht schließlich darum, Wettbewerbsvorteile auszuspielen. Und das heißt auch: Man muss auf die Kosten achten. Wir stellen fest, dass sich auch in Schwellenländern ein neues Kostenbewusstsein durchsetzt. Man schaut dort nicht mehr in erster Linie auf die Anschaffungskosten für eine Anlage, sondern auf die Lebenszykluskosten. Wenn eine hochmoderne Anlage vergleichsweise niedrige Betriebskosten hat, etwa weil sie deutlich weniger Energie verbraucht als herkömmliche, und wenn diese Anlage zuverlässig über Jahrzehnte arbeitet, ist das unter dem Strich günstiger, als eine billige Anlage zu kaufen. Insofern fühlen wir uns mit unserem Produktangebot bestätigt. Wir werden in Zukunft weitere Impulse in Sachen Nachhaltigkeit setzen.

Kernfrage: Warum ist die Initiative Blue Competence für Sie wichtig?
Zimmermann: Unsere Anlagen bewegen wertvolle Rohstoffe, daher sind Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz seit Langem wichtige Themen in der Produktentwicklung bei Azo. Nun stellen wir fest, dass diese Themen zunehmend bei unseren Kunden ein Investitionskriterium sind. Blue Competence ist für uns ein Mittel der Kundenbindung. Damit bleiben wir im Gespräch. Dabei geht es uns nicht um den schnellen Verkaufserfolg, sondern um den Dialog mit dem Kunden. Wir wollen gemeinsam erkunden, wo für ihn Potenziale in puncto Nachhaltigkeit liegen. Das ist ein Dauerbrenner in der Beratung, vor allem, weil 80 bis 90 Prozent unserer Anlagen auf den jeweiligen Kunden maßgeschneiderte Unikate sind. Daher beschäftigen wir uns auf allen Ebenen mit diesen Fragen – bei unseren Produkten und in deren Entwicklung und Fertigung.