Zu Töpfers Ausführungen, die mit großem Applaus bedacht wurden, passte der Vortrag von Dr. Fritz Buschhaus über Prozessoptimierung beim Spritzgießen. „Relevant ist nicht der Wirkungsgrad meines Ventils, sondern der Gesamtverbrauch meiner Maschine," stellte der Gesellschafter des Desma-Technologiepartners CAS fest. Das sieben Jahre alte Unternehmen ist auf Energiemanagementsysteme spezialisiert, die alle Prozesse digital erfassen. Sein Tipp: Unternehmen sollten Energiecontroller bestimmen, die im ersten Schritt alle Verbräuche erfassen und dann an die Lösung gehen.
„Druckluft ist teurer als ein elektrischer Antrieb und Abwärme kann man auch nutzen, um die Hydraulik zu kühlen," gab Buschhaus Beispiele, weshalb bis zu 30 Prozent Energie eingespart werden könnten. An eine andere Alternative denkt David Paxton. Der Südafrikaner, der bereits zum dritten Mal extra zum Open House nach Fridingen gekommen war, will eine Solaranlage auf seinem Fabrikdach installieren.
„Strom wird in Südafrika immer teurer und ist nicht immer verfügbar," begründet der Automobilzulieferer, der in seinem Betrieb ausschließlich Desma-Maschinen einsetzt, seine Überlegung. Die Reden von Schürmann, Töpfer und Buschhaus hätten ihn ermutigt, diese Idee weiter zu verfolgen.
In bilingualen Workshops rund um Energieeffizienz, Bedienerfreundlichkeit oder Preiskalkulation konnten die Besucher anschließend neues Wissen erlangen, um „strategisch und operativ neue Anregungen für ihr Business zu bekommen", wie Desma-Geschäftsführer Schürmann es in seiner Eröffnung versprochen hatte. Nach einem geselligen Abend besuchten die Gäste tags darauf die Hausmesse und das Technologiezentrum, wo sie Einblicke gewannen in die Wirkungsweise vieler Verfahren und mit anderen Anwendern Erfahrungen austauschen konnten.
Zahlen zur Branche
Weltweit gibt es rund 5000 gummiverarbeitende Betriebe, die zur einen Hälfte Spritzgießtechnik einsetzen und zur anderen Hälfte konventionelle Pressen betreiben. Weltweit arbeiten 70 Prozent dieser Betriebe für den Automobilsektor. Die internationale Kunststoffindustrie verarbeitet pro Jahr 22 Millionen Tonnen Gummi, davon zwei Drittel für Reifen. Nur 15 Prozent des Materials gehen in technische Produkte, die im Spritzgießverfahren hergestellt werden. Demnach verarbeiten die Maschinen 1,5 Millionen Tonnen Gummi pro Jahr. Bei 25 Prozent Abfall, der nicht recycelt werden kann, entspricht dies Rohöl im Wert von 1,5 Milliarden Euro, die jährlich als Brennstoff in Zementwerken vernichtet werden. Es gilt also einerseits den Energie-, andererseits den Werkstoffeinsatz zu optimieren. Desma erzielt mit seinen Maschinenentwicklungen eine Reduktion des Stromverbrauchs um 15 Prozent, der Materialabfall wird halbiert.
Autor: Leonhard Fromm
01/2012 Januar-Februar




