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Der Schiffsbau gilt als Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Darum lässt eine Meldung der jüngeren Zeit aufhorchen: Die Branche erholt sich offenbar – nicht nur in Südkorea, dem Land, das sich in den vergangenen Jahren eine führende Position in diesem Sektor erarbeiten konnte. Im rauen Umfeld auf hoher See bewähren sich kälteflexible und ölbeständige Kabelmäntel aus halogenfrei flammgeschützten Kautschuken. Aber auch außerhalb Koreas kommt die Werftindustrie nach den Krisenjahren allmählich wieder auf die Beine. Wachstumschancen sehen Experten hier vor allem in Spezialschiffen, so etwa bei der Ausrüstung von Offshore-Anlagen und in der Öl- und Gas-Förderung. Hier können sich Blends aus hydriertem Acrylnitrilbutadien-Kautschuk (HNBR) und Ethylen-Vinylacetat-Kautschuk (EVM) durch ihre Beständigkeit gegenüber Ölen, Schmierfetten und Spülchemikalien bewähren.

„Kabelmäntel aus elastomeren Werkstoffen sind im Vergleich zu solchen aus gängigeren Materialien wie Polyethylen oder PVC sicher noch ein Nischenmarkt“, sagt Jörg Stumbaum, Technical Marketing Manager in der Business Unit High Performance Elastomers des Kölner Synthesekautschuk-Pioniers Lanxess. „Doch bei anspruchsvollen Anwendungen kommt man mit diesen Werkstoffen nicht weiter. Hier sind unsere Synthesekautschuke aus technischer Sicht oft die bessere Lösung.“

Für anspruchsvolle Anwendungen

Ein Beispiel sind Kabelmäntel für die Hochseeschifffahrt – ein in vielerlei Hinsicht besonderer Einsatzort, denn auf den Weltmeeren herrschen besonders harsche Bedingungen. „Der Schlüssel zum Erfolg ist die Tieftemperaturflexibilität unserer hochspezialisierten Synthesekautschuke Therban und Levapren. Ingenieure fordern heute Kabelmantel-Werkstoffe, die bis zu Temperaturen jenseits von Minus 40 °C flexibel sind. Diese Schallmauer kann durchaus von einigen Materialien durchbrochen werden. Ist darüber hinaus jedoch eine besondere Einsatz-Sicherheit gefragt, empfehlen sich 50:50-Blends aus Levapren und unserem HNBR-Elastomer Therban als Material der Wahl: Sie sind nicht nur bei Temperaturen bis weit unter Minus 40 °C flexibel, sondern zeichnen sich auch in diesem Temperaturbereich zusätzlich durch eine hohe Ölbeständigkeit und herausragende Flammschutzeigenschaften aus.“ Derartige Temperaturen mögen in gemäßigten Breiten kaum erreicht werden; auf Hoher See und vor allem in extremen Breitengraden wie etwa im Nordpolarmeer sind sie gang und gäbe. Darum setzen Schiffsbauingenieure für Schiffe, die diese Regionen befahren, gerne auf Kabelmäntel, die unsere Partner in der Kabelindustrie aus Levapren und Therban herstellen. In der Regel kommen hier Levapren 600 und die besonders auf den Einsatz bei tiefen Temperaturen zugeschnittene Therban-Variante Therban LT 2007 zum Einsatz – ein vollhydrierter Typ mit einem Rest-Doppelbindungsgehalt von unter 0,9 Prozent. Dieser Wert stellt eine außerordentlich hohe Alterungsbeständigkeit und Robustheit gegenüber Ozon und UV-Licht sicher – auf den Weltmeeren allgegenwärtig. Zugleich erfüllen diese halogenfreien Werkstoffe hohe Anforderungen an den Flammschutz und die Ölbeständigkeit, wie sie zum Beispiel in der strengen norwegischen Norm NEK 606 festgelegt sind.

Denn an Bord einen Schiffes kann sich ein Feuer schnell zu einer Katastrophe auswachsen – Flammschutz ist hier besonders wichtig. „Therban/Levapren-Blends können auf Grund ihrer hohen Polarität große Mengen anorganischer, halogenfreier Füllstoffe wie zum Beispiel Aluminiumhydroxid aufnehmen“, erläutert Stumbaum. Falls diese flammgeschützten Kabelmäntel durch äußere Brandereignisse mitbrennen, hält sich die Rauchentwicklung in engen Grenzen – sehr wichtig, wenn Fluchtwege lange sichtbar bleiben sollen. Auch die geringe Quellneigung der Blends in Öl trägt dazu bei, die Rauchentwicklung im Falle des Falles so gering wie möglich zu halten. „Vor allem aber entsteht beim Brand halogenfreier Werkstoffe wie Therban und Levapren keine ätzende Salzsäure, die Menschen und Maschinen in Mitleidenschaft ziehen könnte. Dies ist extrem wichtig, wenn Menschen sich auf engstem Raum bewegen und Sachgüter zu schützen sind.“

Ausgezeichnete Ölbeständigkeit

Diese Ölbeständigkeit ist es auch, die Kabelmäntel aus den Kautschuken in einer ähnlichen Branche zu einem spannenden Werkstoff macht: In der Öl-Exploration und der Förderung fossiler Brennstoffe. „Hier müssen natürlich ebenfalls strengste Flammschutz-Normen erfüllt werden“, so Stumbaum. Gleichzeitig kommen die Kabel hier nicht nur mit Diesel, Ölen und Schmierfetten in Kontakt, sondern auch mit Spülflüssigkeiten und Spülschlämmen, die durchaus aggressive organische Substanzen enthalten können; klassische Kabelmantel-Materialien wären hier schon auf Grund ihrer Quellneigung schnell auf verlorenem Posten. Und beide Einsatzbereiche haben sogar eine Schnittmenge: Auf der Suche nach neuen Quellen fossiler Brennstoffe dringen Geologen längst in immer entlegenere – und kältere – Weltgegenden vor, die immer höhere Anforderungen an das eingesetzte Material stellt.

HNBR and EVM blends make shipping safe

In the tough environment on the high seas, cold flexible and oil-resistant cable sheathings made from halogen-free, flame-retardant Therban/Levapren blends have proved invaluable. “Elastomer cable sheathings may still be a niche market compared to more common materials, such as polyethylene or PVC,” says Jörg Stumbaum, technical marketing manager in the High Performance Elastomers business unit of Cologne-based synthetic rubber pioneer Lanxess. “But these materials cannot keep pace when it comes to more challenging applications. From a technical perspective, this is where synthetic rubbers are a better solution.” One example is cable sheathings for shipping on the high seas – which is in many respects a special area of application, since conditions at sea can be particularly harsh. The oil resistance also gives cable sheathings made with Therban and Levapren exciting potential in a similar industry – oil exploration and fossil fuel extraction.

Über den Autor

Udo Erbstößer, Leitung Fachmedien, Lanxess, Köln