Lanxess hat damit begonnen, sein Kautschukgeschäft im Rahmen eines Carve-out-Prozesses (Ausgründung eines Unternehmensteils) in eine rechtlich eigenständige Geschäftseinheit innerhalb des Konzerns zu überführen. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um das Kautschukgeschäft in eine Allianz einbringen zu können“, sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert. Die neue Einheit soll die Geschäftsbereiche Tire & Specialty Rubbers (TSR) und High Performance Elastomers (HPE) mit ihren insgesamt 20 Werken und rund 3.700 Mitarbeitern sowie unterstützende Stabsfunktionen umfassen. Dies sind 23 % von derzeit etwa 16.300 Mitarbeitern insgesamt. Wer der mögliche Allianz-Partner sein wird oder mit welchen Unternehmen Lanxess verhandelt, ist bislang nicht öffentlich bekannt: „Hier sind wir in sehr konstruktiven Gesprächen und gehen davon aus, im Laufe der zweiten Jahreshälfte zu konkreten Ergebnissen zu kommen“, sagte Zachert.

Ergebnisprognose erneut angehoben
Nachdem die bereits veröffentlichten, vorläufigen Geschäftszahlen jetzt testiert sind, erwartet der Konzern nun für das Gesamtjahr ein um 20 Mio. Euro höheres Ebitda vor Sondereinflüssen zwischen 840 und 880 Mio. Euro. Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Matthias Zachert kommt das Unternehmen „zusehends zurück auf den richtigen Kurs“. Zachert sagte weiter: „Wir haben im zweiten Quartal dieses Jahres ein sehr gutes operatives Ergebnis erzielt, zu dem alle Segmente unseres Konzerns beigetragen haben. Auf Basis dieser starken Zahlen und der zügigen Umsetzung unserer Neuausrichtung gehen wir von einem höheren Jahresergebnis aus als bisher erwartet.“

Der Konzernumsatz verbesserte sich im 2. Quartal 2015 um 4,3 % auf 2,1 Mrd. Euro nach 2,0 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Höhere Absatzmengen und positive Währungseffekte glichen rohstoffpreisbedingt niedrigere Verkaufspreise dabei mehr als aus. Das Ebitda vor Sondereinflüssen stieg um 13 % auf 270 Mio. Euro. Getrieben wurde diese Entwicklung durch gestiegene Absatzmengen, Einsparungen aus der Neuausrichtung und positive Währungseffekte aus dem starken US-Dollar. Entsprechend stieg die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen auf 12,8 % nach 11,8 % im Vorjahresquartal.

Das Konzernergebnis verbesserte sich deutlich um 58,2 % auf 87 Mio. Euro von zuvor 55 Mio. Euro. Neben der operativen Entwicklung trugen zu dem Anstieg auch Erlöse aus dem Verkauf von Anlagevermögen bei.

Investitionen deutlich gesenkt

Die Nettofinanzverbindlichkeiten blieben im Vergleich zum Jahresende 2014 mit rund 1,4 Mrd. Euro nahezu stabil. Die Ausgaben für Investitionen sanken nach Abschluss der Großprojekte in Asien im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte von 154 auf 73 Mio. Euro. „Die Maßnahmen zur finanziellen Konsolidierung im Rahmen unserer Neuausrichtung zeigen Wirkung“, sagte Finanzvorstand Michael Pontzen. „Diese Entwicklung haben kürzlich auch die Ratingagenturen Moody‘s sowie Standard & Poor‘s gewürdigt und unser Investment-Grade-Rating mit einem stabilen Ausblick bestätigt.“

Geschäftsentwicklung in den Segmenten

Höhere Absatzmengen, positive Währungseffekte sowie rohstoffbedingt niedrigere Preise prägten die Entwicklung im Segment Performance Polymers (und führten insgesamt zu einem Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg um 3,5 % gegenüber dem Vorjahreswert von rund einer Milliarde Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen im Segment stieg um 22,1 % auf 149 Mio. Euro nach 122 Mio. Euro im Vorjahresquartal.

Angesichts der weiterhin guten Nachfrage in nahezu allen Absatzmärkten stieg der Umsatz des Segments Advanced Intermediates um 3,1 % von 454 auf 468 Mio. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen des Segments erreichte 80 Mio. Euro und lag damit um 2,6 % über dem Vorjahreswert von 78 Mio. Euro.

Das Segment Performance Chemicals verzeichnete ein sehr gutes Quartal. Der Umsatz stieg um 6,8 % von 518 auf 553 Mio. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen lag mit 110 Mio. Euro um 35,8 % deutlich über dem Wert des Vorjahres von 81 Mio. Euro. Insbesondere niedrige Rohstoffpreise im Berichtszeitraum, positive Währungseffekte und Einsparungen trugen hier zur Ergebnissteigerung bei.

Neuausrichtung weiter voll im Plan

Das vom Konzern im vergangenen Jahr initiierte Drei-Phasen- Programm zur Neuausrichtung liegt weiterhin voll im Plan. Die erste Phase hat das Unternehmen nach eigener Einschätzung „erfolgreich umgesetzt“. Maßnahmen der zweiten Phase, die auf die Verbesserung der operativen Wettbewerbsfähigkeit zielt, sind ebenfalls eingeleitet, etwa die Neuausrichtung der Produktionsnetzwerke für die Kautschuke EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer) und Nd-PBR (Neodymium-basierter Performance-Butadien-Kautschuk). Bei der dritten Phase steht die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsportfolios im Fokus, insbesondere durch mögliche Kooperationen im Kautschuk-Bereich.

Weblink zum Thema
Den aktuellen Zwischenbericht des Unternehmens zum 1. Halbjahr 2015 finden Sie auf den Internetseiten des Unternehmens unter Quartalsberichte.

(dw)