Die über 90 m hohe und mehr als 4 m breite Kolonne „K2020“ (Bildmitte) zur MTBE-Gewinnung ist ein Herzstück der neuen C4-Produktionsanlagen von Evonik in Marl. (Bild: Evonik

Die über 90 m hohe und mehr als 4 m breite Kolonne „K2020“ (Bildmitte) zur MTBE-Gewinnung ist ein Herzstück der neuen C4-Produktionsanlagen von Evonik in Marl. (Bild: Evonik

Die Produktionserweiterung ist Teil eines europaweiten Kapazitätsausbaus für C4-basierte Produkte. Kernstück der neuen Anlagen ist die mit rund 90 m höchste Destillationskolonne des Chemieunternehmens. Sie steht für eine neue Verfahrenstechnik, die erstmals spezielle Stoffströme aus Raffinerien für die C4-Chemie nutzbar macht. Geliefert werden diese per Pipeline von der benachbarten BP Raffinerie in Gelsenkirchen. Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von Evonik sagte: „Mit den Erweiterungen unserer C4-Kapazitäten stärken wir unsere Marktposition nachhaltig.“

Neben dem Ausbau in Marl hat Evonik auch in Antwerpen in die C4-Aktivitäten investiert. Die entsprechenden Anlagen waren dort bereits im zweiten Quartal 2015 angefahren worden. Insgesamt führen die neuen Produktionen zu einem Ausbau der Kapazitäten für den Weichmacher-Alkohol Isononanol in Marl, für Butadien in Antwerpen sowie für den Kraftstoffzusatz MTBE (Marl und Antwerpen). Johann-Caspar Gammelin, Vorsitzender der Geschäftsführung von Evonik Performance Materials, sagte: „Wir unterstützen mit unserem Investment die Wachstumspläne unserer Kunden in Europa und weltweit. Laut Marktanalysen steigt der globale Bedarf für diese Produkte um bis zu fünf Prozent im Jahr.“ Gammelin weiter: „Mit der neuen Technologie verbreitern wir unsere Rohstoffbasis deutlich.“

Neue Verfahrenstechniken für C4-Chemie
Durch das neue Verfahren sind bislang ungenutzte C4-Stoffströme aus dem Fluid Catalytic Cracking (FCC) für die Herstellung eines breiteren Chemikalienportfolios nutzbar. Dazu setzt das Unternehmen eine Kombination von eigens neu entwickelten und zugekauften Techniken ein. Die Herausforderung bestand vor allem darin, störende Begleitstoffe aus dem FCC-C4-Strom abzutrennen. Die neue Technik beinhaltet verschiedene chemische Reaktionen und Absorptionstechniken, die einen effizienten und zugleich flexiblen Prozess ermöglichen. Mit Hilfe der 90 Meter hohen Kolonne werden die unattraktiven, gesättigten Verbindungen (Butane) aus dem FCC-C4-Stoffstrom entfernt um anschließend die für Evonik wertvollen ungesättigten C4-Verbindungen (Butene) zu Spezialchemikalien weiterverarbeiten zu können. Die gesättigten Verbindungen werden per Pipeline an die BP Raffinerie zurück geleitet).

Evonik ist seit langem ein führender Anbieter von C4-basierten Produkten wie Butadien, MTBE (Methyl-tertiär-butylether), Isobuten, 1-Buten, INA (Isononanol) sowie 2-PH (2-Propylheptanol) und DINP (Diisononylphthalat). Dafür betreibt Evonik integrierte Großanlagen zur Verarbeitung von C4-Rohstoffen.

(dw)