Auf der Rotationsvulkanisationsanlage können Elastomerprodukte mit Nutzbreiten bis zu 3,2 m hergestellt werden.
Bildquelle: Ermafa

Auf der Rotationsvulkanisationsanlage können Elastomerprodukte mit Nutzbreiten bis zu 3,2 m hergestellt werden.
Bildquelle: Ermafa

Die Rotocure D320 macht bereits mit ihrem Namen auf die neue Dimension aufmerksam, denn die Zahl steht für die nutzbare Breite bis zu 3,2 m. Die Anlage ist damit die erste dieser Größenordnung in Europa. Für das Ermafa-Entwicklerteam war genau das die Herausforderung. „Es gab so gut wie keine Erfahrungen für eine Maschine dieses Ausmaßes. Ob Antriebsauslegung, Lagerdimensionierung, Schmiersystem oder Steuerung der prozessbestimmenden Funktionen wie Temperatur und Geschwindigkeit, überall haben wir Neuland betreten“, umreißt Lutz Rosenlöcher, Geschäftsbereichsleiter Sondermaschinenbau bei Ermafa, die anspruchsvolle Aufgabenstellung.

Weniger Nähte – raschere Verarbeitung

Die Ingenieure, Techniker und Mecha-troniker haben diese Herausforderung gemeinsam mit Partnern gemeistert. Entstanden ist eine Anlage, auf der 3,2 m breite Produkte wie Elastomerbahnen, Dachfolien, Bodenbeläge, Dichtungen oder Förderbänder nahtlos gefertigt werden können. „Diese Nutzbreite ermöglicht es, beispielsweise Beläge im Dach- oder Fußbodenbereich mit deutlich weniger Verbindungsnähten großflächig zu verlegen. Eine schnellere Verarbeitung sowie weniger Schwachstellen und optische Unregelmäßigkeiten sind wesentliche Effekte für den Anwender der Produkte“, erklärt Lutz Rosenlöcher. Der Nutzer der Maschine kann auf ihr eine Vielzahl an Elastomer-Materialien verarbeiten. Aus der Vielfalt der Mischungen und Trägermaterialien ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, um Verbundstoffe von 0,5 bis 6 mm Dicke herzustellen. Auch Produkte mit Verstärkungseinlagen sowie geprägte oder mehrlagige Oberflächen können erzeugt werden.

Extrem breit und sehr schnell

Die bis zu 200 °C aufheizbare Trommel mit einem Durchmesser von 2 m, die Antriebs-, Spann- und Umlenkwalzen mit einem Durchmesser von jeweils 1,5 m sowie das 22,5 m lange, 3,5 m breite und rund 1 t schwere Druckband aus Stahl sind das Herzstück der Anlage. Das Stahlband von IPCO Deutschland (ehemals Sandvik) ist speziell auf die erforderlichen Rahmenbedingungen ausgelegt und gefertigt

Die Neuentwicklung ist die erste Anlage in Europa, die eine nahtlose Fertigung in so großer Dimension erlaubt.

Die Neuentwicklung ist die erste Anlage in Europa, die eine nahtlose Fertigung in so großer Dimension erlaubt.

. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass das endlos-geschweißte Band auch unter beengten Platzverhältnissen fachgerecht montiert werden kann. Ermafa-Ingenieure haben zusätzlich eine Bandheizung in die Bandkonstruktion eingebracht. Damit wird die Rotocure auch sehr schnell, denn es lassen sich Prozessgeschwindigkeiten von bis zu 290 m/h erreichen. Der Minimalwert liegt bei 4,5 m/h.

Moderne Steuerung für sichere Prozesse

Neben IPCO war der Spezialist für Prozesstechnik und Steuerungssysteme Protec ein wesentlicher Partner im Projekt, um die Anlage für hohe Prozess- und damit Qualitätssicherheit im Zeitalter einer digitalisierten Produktion auszulegen. Dazu gehören die Anbindungen an die Datenbank zum Laden und Speichern der einzelnen Rezepturen sowie zum Erfassen von Messwerten und von Energiedaten. Die Visualisierung der Anlagentechnik ermöglicht darüber hinaus, alle Prozessschritte einfach und transparent zu bedienen und zu beobachten.

Die bis zu 200 °C aufheizbare Trommel weist einen Durchmesser von 2 m  auf, die Antriebs-, Spann- und Umlenkwalzen besitzen einen Durchmesser von jeweils 1,5 m.

Die bis zu 200 °C aufheizbare Trommel weist einen Durchmesser von 2 m auf, die Antriebs-, Spann- und Umlenkwalzen besitzen einen Durchmesser von jeweils 1,5 m.

Vorstellung auf Deutscher Kautschuk-Tagung

Die erste Anlage bewährt sich bereits in der Praxis. Die Vorzüge der neuen Entwicklung stellt Ermafa zur DKT 2018 vor. Das Unternehmen wird ebenso sein weiteres Produkt- und Leistungsspektrum für die Gummi und Kunststoff verarbeitende Industrie aufzeigen. Die technologischen Komplettlösungen umfassen unter anderem Innen- und Labormischer, Misch- und Laborwalzwerke, Kalander, Sonderlösungen für Reifenaufbauelemente sowie Technik für das Reifenrecycling. Auch das Anlagen-Retrofitting bietet das Unternehmen mit einer über 180-jährigen Kompetenz im Maschinenbau an. Das Unternehmen arbeitet ausschließlich nach dem Projektleiterprinzip. Das bedeutet, der Auftraggeber hat über die gesamte Realisierungszeit des Projektes bis zur Inbetriebnahme und Anlaufbegleitung vor Ort und ebenso für nachfolgende Serviceleistungen den gleichen Ansprechpartner für all seine Belange rund um die Anlagentechnik.

DKT 2018 Stand 12-335

Über den Autor

Lutz Rosenlöcher

Geschäftsbereichsleiter
Sondermaschinenbau
Ermafa Sondermaschinen und
Anlagenbau, Chemnitz