Dr. Claus Gernert, Werksleiter der dGw Gummiwerke, sieht in der Entwicklung innovativer Produkte große Marktchancen für das Unternehmen.
Bildquelle:  Uwe Seidenfaden für IMG

Dr. Claus Gernert, Werksleiter der dGw Gummiwerke, sieht in der Entwicklung innovativer Produkte große Marktchancen für das Unternehmen.
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Im Industriepark Tangermünde in einer klimatisierten Halle von der Größe eines Tennisplatzes lagern faustdicke Bänder aus Natur- und Synthesekautschuk in großen Kisten. Das Material stammt von diversen Zulieferfirmen in Italien, den Niederlanden und aus Übersee. Im Mischungslager der DGW Gummiwerke verbleibt es nur wenige Tage bis zur Weiterverarbeitung in der größeren Produktionshalle, in der rund zwei Dutzend Mitarbeiter des Kautschukverarbeiters die verschiedenen Gummi- und Silikon-Mischungen in Form bringen. In neun modernen Hochleistungspressen werden sie mit einem Schließdruck von bis zu 400 Tonnen in Stahlformen gepresst. So entstehen pro Schicht bis zu 1.300 Formteile aus unterschiedlichen Gummimischungen und Verbundmaterialien, wie zum Beispiel Dichtungen, Gummi-Manschetten, Schläuche und andere Montagebauteile. Ihre zukünftigen Einsatzgebiete liegen überwiegend: im Anlagen- und Automobilbau. Die Bauteile werden in Absprache mit den Kunden nicht nur mechanisch in Form gebracht, sondern auch mit maßgeschneiderten Eigenschaften gefertigt, zum Beispiel mit unterschiedlicher Härte und Elastizität, geringem Abrieb bei großer mechanischer Belastung, Reißfestigkeit und Stabilität, egal ob bei hohen oder niedrigen Temperaturen.

Sichere Stromsteckdosen von Elektro-Autos mit Kautschuk

Ein Beispiel für in Tangermünde gefertigte Bauteile sind unter anderem Kabelbaumhalter, die besondere Anforderungen an thermische und mechanische Stabilität erfüllen müssen. Sie kommen beispielsweise bei Porsche zum Einsatz. Auch war das Unternehmen maßgeblich an der Optimierung von Tanksteckdosen für moderne Elektro-Fahrzeuge beteiligt. Um zu verhindern, dass Regenwasser in die elektrische Tanksteckdose der Fahrzeuge gelangt und einen Kurzschluss verursacht, mussten die Tankdeckel mit einem zusätzlichen Wasserschutz ausgestattet werden. Dafür hat das Unternehmen spezielle Gummi-Schlauchstücke entwickelt, die optimale mechanische und Isolationseigenschaften besitzen. Sie sind inzwischen standardisiert und im praktischen Einsatz.

Rollen für Sommer-Trainingsgeräte von Skisportlern

Ein weiteres Beispiel für die Vielfalt der in Tangermünde gefertigten Bauteile sind Mehrkomponenten-Rollen für Sommer-Trainingsgeräte von Skisportlern. „Die Entwicklung geht auf einen Kontakt mit einem Sportgerätehersteller aus Thüringen zurück, den wir im vergangenen Jahr auf der Fakuma geknüpft haben“, so Werksleiter Dr. Gernert. Entwickelt wurde ein spezieller Ski auf zwei Rollen, mit dem Sportler auch im Sommer Langlauf beziehungsweise Biathlon-Training absolvieren können. Spezielle Gummimischungen und ein reibungsarmer Innenring aus Aluminium ermöglichen standardisierte Laufeigenschaften.

Hohe Qualitätsansprüche

Jedes Bauteil durchläuft im Produktionsprozess mehrere Qualitätskontrollen. Die Beseitigung von unerwünschten Gratstellen erfolgt direkt an den Maschinen und, wenn erforderlich, in einer Nachkontrolle durch die Mitarbeiter. Dank optimierter Produktionsprozesse kann das Unternehmen je nach Kundenwunsch in Serien von bis zu 1,2 Mio. Teilen produzieren. Auch Montagearbeiten von Baugruppen bietet das Unternehmen an.
Bei der anwendungsspezifischen Beratung und Entwicklung innovativer Produkte aus Gummi und Mehrkomponenten arbeitet die Tangermünder Gummiwerke eng mit regionalen Forschungspartnern wie dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) zusammen. Geplant ist darüber hinaus eine engere Kooperation mit der Hochschule in Stendal.