Der Produktionsstart in Wuxi soll noch in diesem Jahr erfolgen. Bildquelle: Boge

Der Produktionsstart in Wuxi soll noch in diesem Jahr erfolgen. Bildquelle: Boge

Der deutsche Automobil-Zulieferer Boge Rubber & Plastic Group kündigte nach einem umsatzschwächeren  Jahr 2018 an, seine Ausgaben zu reduzieren, die Internationalisierung voranzutreiben sowie etwa 4 % der Umsatzerlöse für neue Innovationen zu investieren, um dem Volumenrückgang in der Automobilindustrie entgegenzuwirken.

Die globale Automobilproduktion ist seit Jahresmitte 2018 deutlich zurückgegangen. Gründe für diese Entwicklung sind unter anderem die Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsprüfstandard WLTP (Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure) sowie internationale Handelsbeschränkungen durch teilweise deutlich gestiegene Importzölle. Der globale Anbieter für Schwingungstechnik und Kunststofflösungen mit Hauptsitz im niedersächsischen Damme erwirtschaftete mit rund 4.200 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2018 einen konsolidierten Jahresumsatz von 836,3 Mio. EUR. Dies entspricht einem leichten Zuwachs von ca. 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, währungsbereinigt um 2,4 Prozent. Damit lag das Wachstum deutlich unter den Vergleichswerten der Vorjahre. Vor allem die die Entwicklung im Leichtbau, der zunehmend zur Verbrauchsminderung in Kraftfahrzeugen zum Einsatz kommt, hat für ein Plus beim Umsatz gesorgt.

Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Ausweitung des Portfolios

Die Unternehmensgruppe gehört nach einer aktuellen Studie der NordLB gemessen am Umsatz zu den 50 bedeutendsten Unternehmen in Niedersachsen. Auch sie reagiert auf das schwierigere Marktumfeld mit einem konsequenten Spar- und Innovationskurs. Ziele sind die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie eine deutliche Ausweitung des Portfolios in Richtung zukunftsfähiger Produkte. Trotzdem rechnet der CEO Dr. Bremer aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen in der Automobilbranche für das laufende Geschäftsjahr nicht mit einem Umsatzwachstum. Vielmehr wird aus Sicht des Chefs das Jahr 2019 das Jahr sein, in dem wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft gesetzt werden.

„Die Branche befindet sich derzeit in einem enormen Wandel. In diesem Transformationsprozess müssen wir sorgfältig unsere Hausaufgaben machen, sprich wir müssen das Unternehmen fit für die Zukunft machen und die Wettbewerbsfähigkeit weltweit verbessern“, nennt Dr. Bremer die Eckpunkte.

Das Zukunftskonzept basiert auf den Säulen Innovation, Internationalisierung und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit. Es gilt, die Effizienz in allen Werken zu steigern und sich auf renditestarke Produkte zu konzentrieren. Dazu soll die Organisationsstruktur verschlankt , die Kosten in allen Bereichen reduziert und die Einkaufspotenziale optimal ausgeschöpft werden. Letzteres insbesondere vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Materialkosten. Ein internes Kostensenkungs-Programm wurde bereits gestartet. Es werden Einsparungen im zweistelligen Mio.-EUR-Bereich angestrebt.

Einsparungen auch im Personal sind unumgänglich

Zudem sind an den deutschen Standorten Bonn, Damme und Simmern zum 31. Dezember 2018 die Beschäftigungs- und Standortsicherungs-Maßnahmen ausgelaufen. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen den Tarifparteien. Dr. Bremer betonte an dieser Stelle die Notwendigkeit auch dieser Einsparungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu verbessern.

Eine weitere Säule des Zukunftskonzeptes des Unternehmens umfasst die Stärkung der Innovationsfähigkeit.

„Ein wichtiger Schlüssel, um im globalen Wettbewerb eine gestaltende Rolle einzunehmen zu können, sind für uns Innovationen – und diese sowohl bei den Produkten als auch bei den Prozessen“, so Dr. Bremer.

Um mehr wettbewerbsfähige Innovationen auf den Markt zu bringen es jetzt die Innovationskräfte aus den eigenen Reihen sowie von der chinesischen Muttergesellschaft Zhuzhou Times New Material Technology Co., Ltd (TMT) in einem Innovationscenter in unmittelbarer Nähe des Hochschulcampus in Osnabrück gebündelt.

Eröffnung eines Service-Centers in China zur Stärkung der Innovationsfähigkeit im Wirtschaftsraum Asien/Pazifik

Auch mit dem im August eröffneten Customer Service Center Asia (CSC Asia) im chinesischen Zhuzhou wird ein strategischer Meilenstein gesetzt. Damit verstärkt der global agierende Automobilzulieferer nachhaltig seine Entwicklungsaktivitäten innerhalb des Wirtschaftsraumes Asien/Pazifik. Gleichzeitig wird die Vernetzung von Know-how innerhalb der Firma durch das CSC Asia, in dem Mitarbeiter aus verschiedenen Standorten in einem Team zusammenarbeiten, weiter vorangetrieben. Weltweit hat der Automobilzulieferer im Geschäftsjahr 2018 insgesamt 36,3 Mio. EUR für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Dies entspricht 4,3 Prozent der Umsatzerlöse.

Vorantreiben der Internationalisierung

Die Internationalisierung weiter voranzutreiben, ist ein weiterer wesentlicher Baustein der neuen Strategie. Das Werk im mexikanischen San Luis Potosí hat dazu mit Serienlieferungen begonnen. Außerdem ist der umfangreiche Ausbau der Produktion im slowakischen Trnava nahezu abgeschlossen sowie der Produktionsstart im neuen Werk im chinesischen Wuxi noch für 2019 geplant. Bereits 25 Prozent des globalen Umsatzes erzielt der Automobilzulieferer in China und plant, den dortigen Umsatz mit dem neuen Werk in Wuxi um weitere 100 Mio. EUR zu steigern. Inklusive des Werkes in Wuxi hat das Unternehmen in sieben Ländern (Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Slowakei und USA) elf Produktionswerke.

Die Analyse des Produktionsvolumens nach Regionen zeigt, dass der globale Anbieter für Schwingungstechnik und Kunststofflösungen in der Automobilindustrie in Deutschland nach wie vor den dominierenden Anteil produziert. Hier erwirtschaftete er im Geschäftsjahr 2018 knapp die Hälfte des gesamten Umsatzes, gefolgt von China mit einem Anteil von ca. 25 Prozent, der Slowakei mit rund 16 Prozent und den USA mit rund 11 Prozent.

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