(Bildquelle: Dätwyler)

Dätwyler fokussiert sich weiterhin auf Dichtungen. (Bildquelle: Dätwyler)

In einem schwierigen Marktumfeld hat das fortgeführte Geschäft aufgrund frühzeitigen Effizienzsteigerungsprogrammen einen bereinigten Ebit von 168.7 Mio. CHF und eine bereinigte Ebit-Marge von 15,5 Prozent erwirtschaftet, so der Konzern. Wertberichtigungen und Einmalkosten aus dem Verkauf der Distributionsunternehmen erreichte das Unternehmen ein Nettoergebnis von minus 86,6 Mio. CHF. Auf der Generalversammlung wird eine gehaltene Bardividende von 3,00 CHF pro Inhaberaktie beantragt.

Im Berichtsjahr war das Unternehmen nach eigenen Angaben mit einer nachlassenden Konjunkturdynamik und entsprechend schwierigen Märkten konfrontiert: Der Handelsstreit zwischen den USA und China führte insbesondere in der Automobilindustrie zu einem Abbau von Lagerbeständen und rückläufiger Nachfrage. Aufgrund seiner Positionierung in wenig zyklischen Märkten sowie positiven Akquisitionseffekten konnte Dätwyler den Nettoumsatz des fortgeführten Geschäfts in den Konzernbereich Sealing Solutions und Reichelt auf 1.088,5 Mio. CHF steigern. Der Nettoumsatz betrug im Vorjahr 1.060,9 Mio. CHF. Währungsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von fünf Prozent.

Integration von Parco und Bins

Die Integration der 2018 akquirierten Unternhemen Parco und Bins verläuft nach Plan, so der Konzert. Bereinigt um diese beiden Akquisitionen ergab sich bei fortgeführtem Geschäft ein leichter Umsatzrückgang von 0,6 Prozent. Inklusive der Distributionsunternehmen Distrelec und Nedis hat Dätwyler einen nahezu gehaltenen Nettoumsatz von 1.360,8 Mio. CHF erzielt, bei einem Vorjahresnettoumsatz von 1.361,6 Mio. CHF.

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CEO Dirk Lambrecht sieht den Konzern gut aufgestellt. (Bildquelle: Dätwyler)

„Der Fokus auf hochwertige, systemkritische Komponenten in Verbindung mit “Operational Excellence“ und verstärkter Kundenorientierung wird kontinuierlich unser Wachstum antreiben. Mit den schon getätigten Investitionen und Akquisitionen sind wir bestens positioniert. Unser Ziel ist es, das durchschnittliche Wachstum in unseren Zielmärkten zu übertreffen“, sagt CEO Dirk Lambrecht.

Verkauf von Distrelec und Nedis

Der angekündigte Verkauf der Distributionsunternehmen Distrelec und Nedis führte in der Jahresrechnung 2019 zu Wertberichtigungen auf Vermögenswerten sowie Einmalkosten für die Umstrukturierung des Konzerns von 190 Mio. CHF. Dazu kamen Anlaufkosten für das Healthcare-Werk in den USA von 9,2 Mio. CHF. Insgesamt resultierte durch die negativen Sondereffekte im Berichtsjahr ein ausgewiesenes Betriebsergebnis (Ebit) von minus 40,3 Mio. CHF und ein ausgewiesenes Nettoergebnis von minus 86.6 Mio. CHF.

Auf operativer Ebene hat Dätwyler allerdings trotz schwierigem Umfeld auch im Berichtsjahr wieder Gewinnzahlen erreicht. Aufgrund frühzeitigen Effizienzsteigerungsprogrammen, so das Unternehmen, hat das fortgeführte Geschäft einen bereinigten Ebeit von 168,7 Mio. CHF (Vorjahr 183,5 Mio. CHF) und eine bereinigte Ebit-Marge von 15,5 Prozent (Vorjahr 17,3 Prozent) erwirtschaftet. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich weitgehend aus dem konjunkturell bedingten Nachfragerückgang nach Automotivekomponenten und höheren Abschreibungen. Das bereinigte Nettoergebnis des fortgeführten Geschäfts belief sich auf CHF 129.7 Mio. (Vorjahr CHF 140.2 Mio.).

Technical Components: Reichelt im schwierigen Umfeld gewachsen

Im Konzernbereich Technical Components haben sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen in den bearbeiteten europäischen Märkten im Verlauf des Berichtsjahrs kontinuierlich verschlechtert. In diesem Umfeld erwirtschafteten die Dätwyler-Distributionsunternehmen einen Umsatz von 445,2 Mio. CHF (Vorjahr 470,5 Mio. CHF). Die Dätwyler-Tochert Reichelt hat – nach Angaben des Konzerns – die internationale Expansion weiter vorangetrieben und ist in einem schwierigen Umfeld gewachsen. Der Vollzug des Verkaufs von Distrelec und Nedis ist vorbehaltlich der Erfüllung üblicher Vollzugsbedingungen unverändert im ersten Quartal 2020 vorgesehen.

Sealing Solutions mit Nettoumsatzwachstum

Trotz schwierigem Umfeld im Automobilmarkt hat der Konzernbereich Sealing Solutions den Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 915,6 Mio. CHF (Vorjahr 891,1 Mio. CHF) gesteigert. Akquisitionsbereinigt ging der Umsatz um 1,8 Prozent zurück. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) belief sich auf 150,6 Mio. CHF (Vorjahr 162,3 Mio. CHF). Die negativen Sondereffekte von 26,4 Mio. CHF betreffen Einmalkosten für die Umstrukturierung des Konzerns – vorwiegend Rückstellungen für mögliche vertragliche IT-Verpflichtungen durch die Devestition des Distributionsgeschäfts – sowie Anlaufkosten für das neue Healthcare-Werk in den USA. Der ausgewiesene Ebit ging auf 124,2 Mio. CHF zurück (Vorjahr 155,5 Mio. CHF).

Kernkompetenzen als Basis für Wachstum

Basis der starken Marktpositionen im bisherigen Sealing-Geschäft bilden die Bereiche Lösungsdesign, Material-Know-how und in Operational Excellence. Mit der angekündigten Reorganisation will Dätwyler seine Stärken und Erfahrung seinen Kunden besser und anwenderorientierter verbreiten.

Kurzfristige Unsicherheiten

Aufgrund politischer, konjunktureller und währungsbedingter Unsicherheiten haben die kurzfristigen Herausforderungen in den Branchen, die Dätwyler bedient, zugenommen, was die Prognose für 2020 erschwert. So ist zum Beispiel im Automotive-Markt für die kommenden Monate keine wirkliche Trendwende erkennbar. Unter anderem aufgrund des neu ausgericheten Fokus ist Dätwyler nach eigenen Angabengut positioniert und strebt ein Wachstum über dem Durchschnitt an. Mit dem Healthcare- und dem Nespresso-Geschäft erwirtschafte das Unternehmen mehr als die Hälfte des Umsatzes des zukünftigen Kerngeschäfts in wenig zyklischen Märkten, welche stabil wachsen. Die Inbetriebnahme der Healthcare-Produktionskapazitäten mit Industrie-4.0-Technologien in den USA, Europa und Indien soll sich in den kommenden Jahren positiv in Umsatz und Marge widerspiegeln.

Der Online-Distributor Reichelt sei gut aufgestellt, um auch in einem schwierigen Marktumfeld zu bestehen. Für den Verkauf von Reichelt nimmt sich Dätwyler Zeit, um zur Wertoptimierung weitere Optionen zu prüfen. Für das Jahr 2020 strebt Dätwyler ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent und eine Ebit-Marge von über 15 Prozent an.