Der Synthesekautschuk wird 100 Jahre alt. Erfunden hat den elastischen Gummi-Rohstoff aus der Retorte der Chemiker Fritz Hofmann, damals beschäftigt bei den Elberfelder Farbenfabriken Friedr. Bayer, einem Unternehmen, dessen Erbe heute von Lanxess weitergeführt wird. Das Patent Nr. 250690 für das erste „Verfahren zur Herstellung von künstlichem Kautschuk“ wurde am 12. September 1909 erteilt.

Bis zu Hofmanns Entdeckung war man auf Plantagenkautschuk angewiesen, der erheblichen Preis- und Qualitätsschwankungen ausgesetzt war – und vor allem chemisch kaum verändert werden konnte, sich also auch nicht an die steigenden Anforderungen der Technik anpassen ließ. Der Siegeszug des Synthesekautschuks kam mit weiteren Entwicklungsarbeiten, an denen Forscher der Vorgängerunternehmen von Lanxess maßgeblich beteiligt waren. So gelang es Jahre nach Hofmanns Entdeckung, einen anderen chemischen Baustein mit Hilfe von Natrium in einen Gummirohstoff zu verwandeln.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Die Chemiker Walter Bock und Eduard Tschunkur verfeinerten die neue Grundrezeptur in einem Labor der damaligen IG Farben weiter und leiteten daraus einen neuen, sehr robusten Synthesekautschuk ab, der in fortentwickelter Form immer noch in Gebrauch ist: den Styrolkautschuk Buna S. Das Patent auf Bocks Butadien-Styrol-Copolymerisation wurde am 21. Juni 1929 erteilt. Heute ist Styrolkautschuk ein verbreiteter Gummirohstoff für die Reifenherstellung. Im Namen Buna finden sich übrigens die Anfangsbuchstaben der nötigen Ingredenzien Butadien und Natrium wieder. Auch der ölbeständige Nitrilkautschuk (Buna N, später Perbunan) beruht auf einer ähnlichen Rezeptur und wurde ebenfalls in Leverkusen erfunden.

Mittlerweile kennt die Technik eine Vielzahl weiterer Spezialkautschuke aus den Reaktoren der chemischen Industrie. Allein Lanxess hat über 100 verschiedene Synthesekautschuktypen im Programm, darunter 60 verschiedene Nitrilkautschuke, die größtenteils auf spezielle Aufgaben zugeschnitten sind – zum Beispiel für Gummisorten mit besonders abriebfester, „papierfreundlicher“ Oberfläche, die sich etwa in Briefsortieranlagen bewähren. Andere Hochleistungskautschuke bieten hervorragende mechanische Belastbarkeit bei hohen Einsatztemperaturen – sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Zahnriemen im Auto heute weitaus seltener gewechselt werden müssen als früher.

Fritz Hofmann starb 1956 im Alter von 89 Jahren in Hannover. Er hat einen guten Teil der andauernden stürmischen Entwicklung noch erlebt. In den Laboratorien der Kautschukhersteller führen Chemiker und Techniker sein Werk fort. Beispielsweise werden Spezialkautschuke mit modernen Verfahren fließfähiger gemacht, sodass sie sich in filigranere Formen pressen lassen. Andere innovative Kautschuke für Reifenlaufflächen bringen mehr Sicherheit auf nassen Straßen und helfen, Treibstoff zu sparen.

Um der revolutionären Erfindung Hofmanns Rechnung zu tragen, hat Lanxess anlässlich des 100. „Geburtstags“ des synthetischen Kautschuks den ersten Weltkautschuktag ins Leben gerufen. Rund um das Jubiläum am 12. September plant das Unternehmen weltweit Aktionen an seinen Kautschukstandorten, um die vielfältigen Einsatzgebiete von synthetischem Kautschuk einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.