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Der Firmengründer Alfred Steinl wurde 1930 geboren und kam als Sudentedeutscher 1946 nach Landshut in Niederbayern. Obwohl ohne höheren Schulabschluss gelang es ihm, bei Krauss Maffei in München unterzukommen und eine Lehre abzuschließen. Als Werkzeugmacher arbeitete er einige Jahre und nahm 1952 ein Studium am Oskar-von-Miller Polytechnikum in München auf. 1962 ist das offizielle Geburtsjahr des Landshuter Werkzeugbaus Steinl. Alfred Steinl und ein Lehrling beginnen mit einfachen Lohnarbeiten und dem Bau von Vorrichtungen aller Art. Produziert wurde alles, was gebraucht wurde, von Schlittschuhkufen über Warndreiecke und Hebelmechaniken für Garagen-Schwingtore bis zu größeren Vorrichtungen und Maschinenkomponenten für Krauss Maffei und Siemens.

Einstieg in die Gummibranche
In die Zeit um 1965 fiel auch der Beginn der Zusammenarbeit mit den Metzeler-Gummiwerken. Und, es waren nicht nur einfache Vorrichtungen, sondern durchaus größere Anlagen, wie Maschinen für den Reifenaufbau, oder so genannte „Batch-off-Anlagen“, die dazu dienen, die kalandierten Gummifelle zu Streifen zu konfektionieren und abzulegen. Der Bedarf an Maschinen und Fertigungskapazitäten war in jener Zeit riesengroß. So baute LWB ab 1970 auch anspruchsvolle Raketen- und Flugzeug-Komponenten sowie Baugruppen für die erste Magnetschwebebahn. Nach einigen Umsiedlungen fand das Unternehmen 1978 am Stadtrand von Landshut, in Altdorf, seinen heutige Standort. Zu der wichtigsten Innovation von LWB Steinl erklärt Alfred Steinl das „E-Aggregat“, das 1988 zum Patent angemeldet wurde. Es ist charakterisiert durch die konstruktive Trennung in Schnecken-Plastifizier- und Kolben-Injektionseinheit, kommt ohne Rückstromsperren aus und bietet alle Vorteile des First-in/First-out-Prinzips, sowie eine hohe Einspritzpräzision. Eine weitere wichtige Entwicklung war das Metall-Stütz- und Halteband für Gummiprofile (1972) wie sie in Autos als Türdichtung eingebaut werden.

Unternehmenswachstum durch global orientierten Export

Mit Peter Steinl beginnt ab 1990 der Aufbau einer internationalen Vertriebsorganisation Mit einer jährlichen Produktion von rund 400 Stück Gummi- und Elastomer-Spritzgießmaschinen zählt LWB-Steinl zu den weltweit führenden Anbietern in diesem Marktsegment. Sie erstreckt sich auf sämtliche Systeme von der C-Rahmen-Schließeinheit mit der Schließbewegung von oben oder unten über vertikale Säulenpressen bis zu Schließeinheiten in Rahmen- oder Plattenbauweise und nicht zuletzt, horizontale Säulenschließeinheiten. Ein besonderer Schwerpunkt innerhalb des Modulbaukastens sind die Gummi-Spritzaggregate, alle mit dem FIFO-Prinzip bei der Plastifizierung und einem nachgelagerten Kolbenaggregat zum Einspritzen. Neu ist, dass die Kolbenstange des Einspritzkolbens als regelbare Drossel beim Plastifizieren eingesetzt werde kann, um so die Massetemperatur der Gummimischung unmittelbar vor dem Einspritzen gezielt zu erhöhen und dadurch die Heizzeiten beim Vulkanisieren zu verkürzen.

Gänzlich neu ist, dass die Verstelltechnik des EFE-Spritzaggregats mit der Regelsoftware „Adaptive Cure Control“ kombiniert werden kann. Damit kann die Massetemperatur unabhängig von Schwankungen in der Mischungszusammensetzung oder Unregelmäßigkeiten im Bedienzyklus konstant gehalten werden, der entscheidende Schritt in Richtung selbstoptimierender Gummi-Spritzgießmaschine. „Wir sind und wir bleiben in der Hauptsache Gummi- und Elastomer-Spezialisten. Auf diesem Gebiet werden wir mit der Weiterentwicklung der Steuerungs- und Prozessregeltechnik die Gummiverarbeitung noch sicherer machen. Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt wird die Automatisierung der Entnahme- und Einlegevorgänge sein. Hier gibt es also noch viel Potenzial, das noch genützt werden kann. Doch zusätzlich werden wir die, schon zu den aktiven Zeiten meines Vaters eingeleitete, vorsichtige Diversifizierung in andere Produktionssparten in überschaubaren Schritten weiter ausbauen. So haben wir 2011 mit der Entwicklung und Produktion von Formteilen aus nachwachsenden Biomaterialien begonnen. Dazu haben wir ein eigenes Unternehmen mit dem Namen Biofibre GmbH gegründet. Die dort eingesetzte Maschinentechnik zur Verarbeitung der Naturfasermaterialien stammt ebenso aus unserem Haus, wie wir auch die Compoundiertechnik für die Rohmaterialien vorantreiben,“ fasste der Geschäftsführer Peter Steinl die Pläne des Unternemens zusammen.

Über den Autor

Reinhard Bauer, Technikjournalist