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In einem Festakt mit rund 400 Gästen hat Lanxess planmäßig Anfang Juni sein neues Butyl-Kautschuk-Werk auf Jurong Island in Singapur eröffnet. Für die Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen jährlich hat der Spezialchemie-Konzern rund 400 Millionen Euro investiert. Die Anlage ist die modernste ihrer Art in Asien und wird Halobutylkautschuk sowie Standard-Butylkautschuk herstellen.

Die Butylkautschukanlage in Singapur wurde bereits im ersten Quartal 2013 in Betrieb genommen und schrittweise hochgefahren. Im dritten Quartal dieses Jahres startet die kommerzielle Produktion. Die volle Kapazität wird die Anlage voraussichtlich im Jahr 2015 erreichen. „Mit der bisher größten Investition in unserer Unternehmensgeschichte unterstreichen wir den Stellenwert des Standorts Asien für unser Geschäft mit synthetischen Kautschuken“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Lanxess, Axel C. Heitmann, während der Eröffnungsfeier. „Beim Bau dieses Butylkautschukwerks hatten wir immer die Zukunft der Mobilität im Sinn.“ Auch wenn aktuell die Nachfrage etwas schwächer sei, sei der Mega-trend Mobilität ungebrochen, erläuterte Werner Breuers, Mitglied des Lanxess-Vorstands auf der anschließenden Pressekonferenz. Er erwartet eine Belebung der Märkte im zweiten Halbjahr 2013.

Anwendungen von Butylkautschuk

In den kommenden Jahren werden für den Butylkautschuk-Markt durchschnittliche Wachstumsraten von fünf Prozent erwartet, getrieben von der Entwicklung des Megatrends Mobilität, vor allem in Asien. Etwa drei Viertel ihres Umsatzes erzielt die Business Unit Butyl Rubber mit der Reifenindustrie. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt aus dem asiatischen Raum. Allein in China und Indien soll sich zum Beispiel vor allem aufgrund der wachsenden Mittelschicht die Anzahl der Pkw in den nächsten 15 Jahren mehr als verdreifachen. Zudem werden zunehmend Radial- und schlauchlose Reifen für Nutzfahrzeuge wie Busse und Lkw in Indien und China genutzt. Bei modernen Radialreifen besteht die innerste Schicht aus Halobutylkautschuk. Hier eingesetzt, sorgt der Kautschuk durch seine Gasundurchlässigkeit dafür, dass der Reifendruck länger konstant bleibt.
Ein neues Einsatzgebiet für Halobutylkautschuk ist die Lauffläche des Reifens. Dort verbessert der Bromobutylkautschuk sowohl die Bodenhaftung als auch das damit verbundene Nassbremsverhalten bei gleichbleibendem Rollwiderstand, erläuterte Ron Commander, Lanxess, auf der Pressekonferenz.
Auch in pharmazeutischen Verschlüssen und Abdichtungen kommt Halobutylkautschuk zum Einsatz. Der Spezialkautschuk ist sogar in einigen asiatischen Ländern gesetzlich vorgeschrieben, zum Beispiel in China. In Asien haben einige der weltgrößten Hersteller solcher Produkte für den pharmazeutischen Markt ihren Sitz. Der Pharma-Anteil am Butylkautschukgeschäft von Lanxess liegt bei rund zehn Prozent. Außerdem präsentierte Ron Commander einen antimikrobiell wirkenden Bromobutyl-Kautschuk, der sich beispielsweise für die Griffe von Kinder- oder Einkaufswagen eignen könnte.
Weitere Einsatzmöglichkeiten von Butylkautschuk sind Schutzkleidung, Schuhsohlen, Klebstoffe und Kaugummi. Auch in Klimaanlagen von Automobilen sowie Tankauskleidungen bewährt sich die Gasundurchlässigkeit und Chemikalienbeständigkeit des Kautschuks.

Mit neuem Herstellungsverfahren Energie und Kosten sparen

Die Herstellung von Butylkautschuk ist komplex und erfordert Prozessschritte bei Temperaturen zwischen minus 100 und plus 200 Grad Celsius. Das bislang bekannte Produktionsverfahren für

Butylkautschuk wurde komplett überarbeitet und kommt nun in Singapur zum Einsatz.
Rund zehn Prozent der Investitionssumme sind in Technologien geflossen, die das neue Butylkautschukwerk umweltverträglicher machen. So wird beim Herstellungsprozess deutlich weniger Dampf als in vergleichbaren Anlagen benötigt, was zu einem geringeren Energieverbrauch führt. Die hochmoderne thermische Abgasanlage behandelt die im Produktionsprozess anfallenden chemischen Verbindungen, so dass die Umwelt nicht beeinträchtigt wird. „Die angewendeten Verfahren belegen unsere weltweite Führungsposition. Ich bin stolz darauf, dass wir damit einen neuen Standard in der Industrie setzen“, sagte Ron Commander, Lanxess.


Optimale Bedingungen in Singapur

Die Butylkautschukanlage wurde von der Foster Wheeler Asia Pacific Pte. Ltd. auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände auf Jurong Island in Singapur geplant und gebaut. Damit liefert die Anlage im Vergleich zur Fläche ein relativ großes Produktionsvolumen, was auf eine sehr kluge Anlagenplanung rückschließen lässt. Das Grundstück wurde von der JTC Corporation, einer Körperschaft des Ministeriums für Handel und Industrie in Singapur, geleast.
Die der Hauptinsel vorgelagerte Insel Jurong Island ist auf die chemische Industrie ausgerichtet und bietet mit seiner Infrastruktur optimale Bedingungen. Der Rohstoff für die Butylkautschuk-Produktion sei nicht leicht über weitere Strecken zu transportieren, erklärte Ron Commander, Lanxess. Das ist in dem Chemiepark Jurong Island nicht nötig, denn die langfristige Belieferung mit Isobuten, einem wichtigen Rohstoff zur Produktion von Butylkautschuk, ist durch eine benachbarte Raffinerie sichergestellt. Ebenfalls dort baut das Unternehmen seit vergangenem Jahr eine neue Produktionsanlage für Neodymium-basierten Butadien-Kautschuk (Nd-PBR). Durch ihre Nachbarschaft mit der Butylkautschukanlage ergeben sich für das Unternehmen wertvolle Synergien, zum Beispiel durch gemeinsame Infrastruktur und Logistik. Die Butyl-Kautschuk-Anlage ist eine von weltweit drei Standorten, an denen Lanxess Butyl-Kautschuk herstellt. Neben Singapur sind dies Sarnia in Kanada und Zwijndrecht in Belgien, beide mit Kapazitäten von 150.000 Jahrestonnen. Mit der Anlage in Asien wolle der Konzern die Versorgung des asiatischen Marktes mit hochwertigem Butyl-Kautschuk sicherstellen, führte Ron Commander aus.
Etwa die Hälfte des weltweiten Bedarfs dieses Spezial-Kautschuks entstünde in Asien und 50 Prozent davon allein in China.
Lanxess beschäftigt aktuell rund 380 Mitarbeiter in Singapur. Der Standort ist ein wichtiger Knotenpunkt für das Unternehmen in Südostasien und Asien-Pazifik. Singapur ist seit 2010 der globale Hauptsitz der Business Unit Butyl Rubber. Die Business Unit Butyl Rubber ist Teil des Segments Performance Polymers, das 2012 einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro erzielte.

Lanxess opens Asia‘s most modern butyl rubber plant in Singapore

At an official ceremony attended by around 400 guests, Lanxess inaugurated its new butyl rubber plant on Jurong Island in Singapore on schedule. The specialty chemicals company has invested approximately EUR 400 million in the plant, which will have a capacity of 100,000 metric tons. The plant will create about 160 highly qualified new jobs that will mainly be filled locally. The facility is the most modern of its kind in Asia and will produce halobutyl rubber, as well as regular butyl rubber. Jurong Island is located off the coast of the city-state and offers an infrastructure geared specifically to the needs of the chemical industry, thus providing ideal conditions. The newly opened plant in Singapore joins existing butyl rubber plants in Sarnia, Canada, and Zwijndrecht, Belgium. The butyl rubber market is expected to grow on average by 5 percent in the coming years, with the main driving force being the megatrend mobility, above all in Asia. Modern radial tires require an inner liner made of halobutyl rubber, which helps keep tire pressure constant for longer because of its impermeability to gases, thus saving fuel and reducing CO2 emissions. A new application for bromobutyl rubber, a type of halobutyl, is in the tread of tires. Another use for halobutyl rubber is in pharmaceutical closures. Other applications for butyl rubber are protective clothing, shoe soles, adhesives and chewing gum. The Butyl Rubber business unit is part of LANXESS‘ Performance Polymers segment, which recorded sales of EUR 5.2 billion in 2012.

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert, Redaktion KGK