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Derzeit werde vor allem das Kautschukgeschäft von einer vorübergehenden Nachfrageschwäche, zunehmendem Wettbewerb und volatilen Rohstoffpreisen beeinträchtigt, heißt es bei dem Unternehmen. „Aufgrund der aktuellen Lage müssen wir jetzt entschieden handeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Axel C. Heitmann auf dem Medientag 2013 in Köln. „Wir unternehmen auch diesmal alle wesentlichen Schritte, um so schnell wie möglich zu nachhaltigem und profitablem Wachstum zurückzukehren. Wir sehen bereits erste Anzeichen einer Stabilisierung. Es ist jedoch zu früh für eine konkrete Aussage, wann und wie schnell eine Erholung im Markt eintreten wird.“

Im Rahmen des von „Advance“ startet das Unternehmen ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen, das auf Vorruhestandsregelungen und Abfindungszahlungen basiert. Ergänzend wird die variable Vergütungskomponente für das laufende Geschäftsjahr für alle berechtigten Mitarbeiter gekürzt. Dies gilt auch für den Vorstand. Alle Maßnahmen erfolgen in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen.

Im Rahmen der gezielten Restrukturierungsmaßnahmen hat die Business Unit Rubber Chemicals bereits einen Standort in Südafrika geschlossen und Produktionskapazitäten in Belgien gebündelt. Darüber hinaus wird das Unternehmen weltweit Niederlassungen der aktuellen Marktlage anpassen. Sein flexibles Anlagenmanagement setzt der Konzern fort. Für das Programm „Advance“ fallen in den Jahren 2013 und 2014 Sonderaufwendungen in Höhe von insgesamt rund 150 Mio. Euro an.

Strategische Optionen für Randgeschäfte
Der Konzern behält seine derzeitige Struktur mit drei Segmenten und 14 Business Units bei. Für bestimmte Randgeschäfte werden jedoch strategische Optionen verfolgt. Diese Geschäfte erzielen zusammen einen Umsatz von rund 500 Mio. Euro und ein Ebitda vor Sondereinflüssen von knapp 30 Mio. Euro; beschäftigt sind dort rund 1.000 Mitarbeiter.

Zu den Aktivitäten gehören unter anderem die Produktlinien „Perlon-Monofil“ der Business Unit (BU) High Performance Materials (HPM), „Beschleuniger“ und „Alterungsschutzmittel“ der BU Rubber Chemicals (RUC) sowie „Nitril-Butadienkautschuk“ der BU High Performance Elastomers (HPE). Dies betrifft die Standorte Brunsbüttel und Dormagen (Deutschland), Kallo (Belgien), La Wantzenau (Frankreich), Bushy Park (USA), Jhagadia (Indien) und Nantong (China). Alle Optionen an diesen Standorten werden auf Basis gesetzlicher Vorgaben und lokaler Mitbestimmung verfolgt. „Jedes dieser Geschäfte ist in seinem Markt gut positioniert. Mit einem anderen Partner bieten sich ihnen jedoch langfristig bessere Entwicklungschancen“, sagte Heitmann.

Im Zuge seiner mittel- bis langfristigen Portfolio-Strategie plant der Konzern Zukäufe bevorzugt zur Stärkung seiner Segmente Advanced Intermediates und Performance Chemicals, um sein Portfolio weiter zu diversifizieren.

Wichtige Investitionsprojekte
Das Unternehmen setzt weiterhin bevorzugt auf organisches Wachstum. Für das laufende Jahr wurde das Investitionsbudget auf rund 600 Mio. Euro reduziert und auf die entscheidenden strategischen Projekte fokussiert. Künftig stehen kleinere Projekte und Kapazitätserweiterungen im Vordergrund.

Derzeit treibt das Chemieunternehmen drei wichtige Investitionsvorhaben voran, die die Nachfrage nach Produkten für den Megatrend Mobilität bedienen werden. Dabei handelt es sich um das Neodymium-Butadienkautschuk(Nd-PBR)-Werk in Singapur, die Ethylen-Propylen-Dien-Monomer(EPDM)-Kautschuk-Anlage in China und die Anlage für Hightech-Kunststoffe in Belgien. Der Bau dieser Anlagen verläuft nach Plan.

Lanxess sieht die langfristigen Wachstumsfaktoren trotz der derzeitigen Marktschwäche intakt. „Wir werden uns auch weiterhin durch den Fokus auf High-Performance-Produkte von unseren Wettbewerbern differenzieren“, so Heitmann. „Unsere Investitionen in Anlagen für Hochleistungskautschuke und Leichtbau-Produkte stärken unsere Position als einer der führenden Anbieter für die Reifen- und Automobilindustrie. Davon werden wir besonders profitieren, wenn sich die Märkte erholen“, sagte Heitmann. „Das sind wichtige Beiträge, um unser mittelfristiges Ziel, ein Ebitda vor Sondereinflüssen von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2018, zu erreichen.“ Heitmann bestätigte den Ausblick für das Geschäftsjahr 2013. Ziel ist ein Ebitda vor Sondereinflüssen von 700 bis 800 Mio. Euro; mögliche weitere Wertberichtigungen auf Vorräte sind dabei nicht berücksichtigt.

(dw)