Bildquelle: Dätwyler

Der Unternehmer Max Dätwyler (2. von links) und sein Bruder Peter (rechts) im Februar 1959 bei Firestone in Akron (Ohio). Zwischen ihnen: Harvey S. Firestone Jr. Bildquelle: Dätwyler

Max kam am 29. Januar 1929 als zweites von drei Kindern von Adolf und Selina Dätwyler-Gamma in Altdorf, Kanton Uri, zur Welt. Gleich nach der Primarschule schickten ihn seine Eltern ans Gymnasium nach Trogen im Appenzell. Auf ausdrücklichen Wunsch seines Vaters studierte er anschließend in Zürich Chemie und promovierte. Parallel dazu machte er einen Abschluss als Ökonom und stieg schließlich ins Familienunternehmen ein. Ab 1961 leitete er die Dätwyler-Tochter Firestone in Pratteln, Baselland.

Dätwyler sichert Nachfolge und Eigenständigkeit des Unternehmens

Erst mit 50 Jahren kehrte der Chemiker in den Kanton Uri zurück. Er fühlte sich schnell wieder heimisch und vernetzte sich mit Kunst- und Kulturschaffenden. Die Brüder wandelten 1958 die Firma ihres Vaters in eine Holding um, was ihr Überleben als Firmengruppe sicherte. Kurz darauf expandierten sie ins Ausland. Im Jahr 1990 zogen sie sich aus der operativen Führung zurück und sicherten die Eigenständigkeit des Unternehmens mit einer einzigartigen Nachfolgeregelung. Dazu verzichteten die Mitbegründer des mittlerweile börsennotierten Unternehmens auf wesentliche Vermögenswerte. Bereits damals zählte die Gruppe 3.500 Mitarbeitende und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 700 Mio. Franken. Mit der Fokussierung auf hochwertige Dichtungskomponenten für die Health-Care- und die Automobilindustrie hatten die Gebrüder eine starke Basis für die globale Expansion gelegt.

„Wenn du in einem Kanton wie Uri mit seinen 35.000 Einwohnern 1.000 Mitarbeiter hast, und hinter
jedem steckt eine ganze Familie, dann weißt du, was Verantwortung ist“,

erzählte der Pensionär anlässlich der 100-Jahr-Feier der Firma 2015. Er war ein umsichtiger und verantwortungsbewusster Unternehmer, für den es immer auch etwas „jenseits von Angebot und Nachfrage“ gab, wie er bis heute betont.

„Diese Kultur der Familienunternehmung prägt bis heute alle Entscheide von Dätwyler, und sie drückt sich aus in ihren Werten“,

sagt auch Paul Hälg, von 2004 bis 2016 CEO und heute Verwaltungsratspräsident des Konzerns.

Vom Unternehmer zum Kultur-Wohltäter

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Im Dezember 2012 erhält Unternehmer Max Dätwyler den Goldenen Uristier für seine „grossen kulturellen Verdienste“ im Kanton Uri. Bildquelle: Dätwyler

Seit seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft 1990 engagiert sich der Schweizer für kulturelle Einrichtungen und Kunst. Aus dem elterlichen Wohnhaus machte er ein Zuhause für die Musikschule Uri. Er initiierte und finanzierte das Haus für Kunst Uri und den Danioth-Pavillon. Damit öffnete er der Bevölkerung auch seine riesige Sammlung an Werken des großen Urner Künstlers Heinrich Danioth. Die von ihm und seinem Bruder Peter ins Leben gerufene Stiftung trägt heute mit ihren jährlichen Vergabungen von 0.5 bis 1 Mio. Franken wesentlich zum kulturellen Leben Uris bei. Für sein leidenschaftliches Engagement erhielt er 2002 das Ehrenbürgerrecht des Kantons Uri und 2008 die Altdorfer Ehrenmedaille. Zusätzlich nahm er im Dezember 2012 den „Goldenen  Uristier“ in Empfang. Sein letztes großes Engagement leistete er zum 100-Jahr-Jubiläum des Automobilzulieferers 2015.

Heute ist das Familienunternehmen zwar ein globaler Industriezulieferer mit weltweit über 8.000 Mitarbeitenden, hat seinen Hauptsitz aber immer noch in Altdorf (Kanton Uri). Mit etwa 50 operativen
Gesellschaften und Verkäufen in etwa 100 Ländern erwirtschaftet die Firma einen Jahresumsatz von über 1.3 Mrd. Franken. Die gemeinnützige Stiftung, die im Rahmen der Nachfolgeregelung gegründet wurde, fördert Projekte und Institutionen in der Schweiz und handelt von dem Unternehmen unabhängig. Die Förderung betrifft gemeinnützige Bestrebungen in den Bereichen Kunst (Baukunst und Brauchtum), die geografisch, thematisch oder personell Bezug zum Kanton Uri haben oder in den Kanton Uri ausstrahlen. Weitere Bereiche sind Erziehung und Bildung, Gesundheit und Sport, Heimatschutz, Natur- und Umweltschutz sowie Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

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