Prof. Dr. Ulrich Giese, Vorstand und Geschäftsführer, Deutsches Institut für Kautschuktechnologie (Bild: DIK)

Prof. Dr. Ulrich Giese, Vorstand und Geschäftsführer, Deutsches Institut für Kautschuktechnologie (Bild: DIK)

1. Warum sind Elastomere so wichtig in modernen Mobilitätslösungen?

Hier gibt es natürlich zwei Aspekte, 1. Reifen und 2. die Vielzahl unverzichtbarer technischer Elastomererzeugnisse. Beide Produktgruppen spielen, wenn auch etwas unterschiedlich im geforderten Eigenschaftsbild sowohl in der E-Mobilität als auch bei der Verbrennertechnologie eine wichtige Rolle. Im Reifensektor ist die Kombination aus Traktion, Abrieb- und Verschleißfestigkeit, Geräusch und Dämpfung (bedeutet kurzer Bremsweg) nach Stand der Technik und auch künftig nicht ohne Elastomere auf dem geforderten Niveau möglich. Für die moderne Mobilität ist bezüglich Reifen natürlich Leichtgewicht (schwierig mit Elastomeren), Abriebfestigkeit auch bei extremer Belastung wie hohes Drehmoment und Gewicht im Fall der E-Mobilität von besonders hoher Bedeutung. Natürlich darf man hier auch nicht das kritische Thema Reifenabrieb im Mikroplastik in der Umwelt nicht vergessen. Betrachtet man den Bereich der technischen Elastomererzeugnisse (TEE) im Automotivbereich so wird auch künftig nichts ohne die passende frequenzangepasste Dämpfung der Antriebssysteme und des Fahrwerk gehen. Dichtungssysteme für beispielsweise Wasserstoff führende Systeme oder auch Batterien mit hohen Medien- und Temperaturbeständigkeiten sind nicht ohne Elastomere realisierbar.

2. Wie wirkt sich dies auf die aktuellen Schwerpunkte Ihrer Forschungsarbeit aus?

Mit den politisch, gesellschaftlich und technisch sich ändernden Anforderung an moderne Werkstoffe ändern sich natürlich auch die Forschungsthemen und auch die Möglichkeit Forschungsförderungen zu beantragen. Aktuell gewinnen damit Materialschwerpunkte wie „Leichtbau“, Sensorik, Aktuatorik, Barriereeigenschaften, Reibung, und insbesondere unter dem Aspekt der Kreislaufwirtschaft auch das eigentlich alte Thema „Recycling“ und der Einsatz nachwachsender Rohstoffe eine hohe Bedeutung für das DIK. Dennoch sind eher traditionelle Schwerpunkte wie beispielsweise Lebensdauer, Lebensdauervorhersage und Bruchmechanik, Compounding, Oberflächenbehandlung und Emissionsfreiheit weiterhin Themen für das DIK. Eine besondere Entwicklung betrifft die additive Fertigung von Elstomerbauteilen, welche entgegen dem Stand der Technik im Kunststoffbereich oder Metallsektor, eine spezielle Herausforderung darstellt. Hier ist das DIK bisher sehr erfolgreich.

3. Momentan reden alle über E-Mobilität, doch bis mindestens 2030 sollen in Deutschland noch klassische Verbrenner zugelassen werden. Gibt es hier eigentlich auch spannende Entwicklungen?

Wenn man in die Industrie schaut, dann stellt sich diese aktuell völlig um. Neuen Entwicklungen in Verbindung mit der Verbrennertechnologie scheint es nur noch hinsichtlich einer Materialoptimierung für bestehende Bauteile zu geben, aber nichts wirklich Neues. Es ist bereits jetzt sogar die großflächige Einstellung der Produktion von typischen Bauteilen für die Verbrennertechnologie wie Turboladerschläuche zu beobachten.

Über den Rubber & Mobility Summit

Auch in diesem Jahr hat die Redaktion der KGK wieder ein spannendes Programm für Sie zusammengestellt. Neben Prof. Dr. Ulrich Giese mit seinem Vortrag „Kritische Rohstoffe für Elastomere – Eine Herausforderung für die Zukunft“ finden sich unter den Referenten Vertreter von Vibracoustic, Dätwyler Sealing Solutions, Siliko und weitere mehr.
Alle Informationen zum Rubber & Mobility Summit 2021, der am 16. September 2021 rein digital stattfindet, finden Sie unter www.rubber-mobility-summit.com.