Ausblick: Kunststoffrecycling 2026 Es drohen weitere Kapazitätsverluste 

Von Peter Jetzer 2 min Lesedauer

Europas Kunststoffrecycling gerät zunehmend unter Druck: Bereits heute gehen Kapazitäten verloren, während der Bedarf weiter steigt. Recycario und Prognostica haben gemeinsam drei Szenarien entwickelt, wie sich daraus 2026 erhebliche Engpässe entwickeln könnten.

(Bild:  Nataliia - stock.adobe.com/KI-generier)
(Bild: Nataliia - stock.adobe.com/KI-generier)

Die europäische Kunststoffrecyclingbranche befindet sich seit 2023 in einer tiefen strukturellen Krise. Innerhalb von drei Jahren sind rund eine Million Tonnen der Kapazitäten verschwunden. Bezogen auf die rund 13 Mio. Tonnen installierte Inputkapazität bei über 850 Unternehmen ist dies ein deutlicher Strukturbruch. 

Solange verbindliche Rezyklatquoten für neue Verpackungen nicht schneller und EU-weit greifen, dürfte diese Schließungswelle anhalten. Bleiben die bereits beschlossenen Vorgaben weiter ohne Wirkung, könnten auch 2026 nochmals rund 300.000 Tonnen Kapazität verloren gehen. 

Drei Szenarien für Europas Märkte 

Ohne Ausbau der Inputkapazitäten steuert Europa bis 2030 mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein Angebotsdefizit, während die Pflichtquoten für Rezyklate deutlich steigen. Für Deutschland wird ein Fehlbedarf von rund einer Million Tonnen Post-Consumer-Regranulat erwartet. Europaweit könnten es nach Angaben des BKV über drei Millionen Tonnen sein. Ein „Break“ im Kapazitätsaufbau droht – und das in einer Phase wachsender regulatorischer Anforderungen. 

Recycario und Prognostica haben vor diesem Hintergrund im neuen „Recycario Dashboard powered by Prognostica“ drei Szenarien entwickelt. Sie bilden keine engen Preisprognosen ab, sondern modellhafte Risikoindikatoren. Grundlage sind die Zusammenhänge zwischen OECD-Geschäftsklima, Ballenwarepreisen (Folienabfälle) und rLDPE-Notierungen. 

Inputströme unter Druck

Am kritischsten fällt das strukturelle Stressszenario aus. Es kombiniert den europaweiten Kapazitätsrückgang mit einem italienischen Sonderfall: Assorimap, der rund 90 % der privaten Recycler Italiens repräsentiert, hat angekündigt, Anlagen vorübergehend stillzulegen. Betroffen ist eine Jahreskapazität von rund einer Million Tonnen. 

Stressszenario: Bei einer schleichenden Schließungswelle sowie struktureller Unterversorgung könnten die rLDPE-Notierung, transparent („Forecast-Custom“, orange Linie) bis April 2026 auf rund 1.595 EUR/t – rund 240 EUR/t über dem Ausgangsniveau Oktober 2025 ansteigen.
(Bild: Recycario-Dashboard – powered by Prognostica )

Bei einer schleichenden Schließungswelle sowie struktureller Unterversorgung könnten die rLDPE-Notierung, transparent („Forecast-Custom“, orange Linie) bis April 2026 auf rund 1.595 EUR/t – rund 240 EUR/t über dem Ausgangsniveau Oktober 2025 ansteigen.

Im Modell führt dieser zusätzliche Schock zu einem Ausfall von etwa 830.000 Tonnen Regranulaten im ersten Halbjahr 2026. Die Industrie kann diese Mengen nicht kompensieren; die Inputströme geraten unter Druck und die Marktstimmung schlägt abrupt ins Positive um. 

Im Worst Case steigen die Ballenpreise binnen sechs Monaten um rund 125 EUR/t auf knapp 525 EUR/t. Die rLDPE-Notierung klettert bis April 2026 auf etwa 1.595 EUR/t – rund 240 EUR/t mehr als im Oktober 2025. Zum Vergleich: Die Jahresdurchschnittspreise für LDPE-Regranulate lagen 2023 bei 1.328 EUR/t, 2024 bei 1.303 EUR/t und 2025 (Januar bis November) bei 1.345 EUR/t. 

Fazit 

Europas Regranulatversorgung ist deutlich fragiler, als es die installierten 13 Mio. Tonnen Recyclingkapazitäten vermuten lassen. Ohne verlässliche Sammelstrukturen, klare Rezyklatquoten und geeignete Lenkungsinstrumente droht eine Phase struktureller Unterversorgung – mit hochvolatilen Preisen. 

INFO

Autor

Peter Jetzer ist Institutsleiter des Recycario Data Science Instituts für wirtschaftliches Kunststoffrecycling. 

Kooperation 

Das Recycario Data Science Institut für wirtschaftliches Kunststoffrecycling ist ein unabhängiges, unternehmergeführtes Forschungsinstitut. Seit Mitte 2023 entwickelt es gemeinsam mit der Prognostica GmbH eine auf breiten Datenanalysen basierende Prognosemethodik für das Kunststoffrecycling. 

Service

Recycario veröffentlicht zudem monatlich einen ausführlichen Bericht zum Regranulatmarkt, inklusive sechsmonatiger Preisprognosen. Dieser Report steht Fachleuten aus der Recyclingindustrie, der Kunststoffverarbeitung sowie interessierten aus dem Verpackungssektor und der Wirtschaft im Rahmen eines Abonnements zur Verfügung. 

Mehr Informationen finden Sie unter www.recyrion.com 

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