Bei den diesjährigen Celler Schlossgesprächen des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall und der deutschen Management Akademie ging es um Jobs für Flüchtlinge und die „Generation Facebook“.

Bei den diesjährigen Celler Schlossgesprächen des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall und der deutschen Management Akademie ging es um Jobs für Flüchtlinge und die „Generation Facebook“. (Bild: NiedersachsenMetall)

Auf der einen Seite stand die Frage, wie Integration von Migranten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt gelingen kann. Auf der anderen Seite ging es um die Frage der Arbeitgeberattraktivität und was junge Menschen der so genannten Generation Y bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber bewegt. Rund 150 Gäste aus Wirtschaft und Politik folgten der Einladung am 12. November nach Celle.

Jobs für Flüchtlinge – Chancen für die Wirtschaft?

Wie gelingt die Integration von Migranten in die deutsche Arbeitswelt? Wie können Unternehmen das Potenzial der Asylsuchenden nutzen? Und wie unterstützt die Bundesagentur für Arbeit sie dabei? Um diese Fragen ging es im ersten Teil der Veranstaltung.

Niedersachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt betonte: „Der überwiegende Teil unserer Firmen hat sich bereits mit der Frage auseinandergesetzt, Flüchtlinge zu beschäftigen oder plant, das zu tun. Das zeigt, dass unsere Unternehmen offen und bereit dafür sind, ihren Teil dazu beizutragen, die Herausforderungen der Flüchtlingskrise zu bewältigen.“ Er stellte die Ergebnisse einer Umfrage vor, die seine Verbände an Mitgliedsunternehmen der Metall- und Elektro-Industrie, Autozulieferer und regionalen Dienstleister gerichtet hatte: Danach sind über 60 Prozent der Metall- und Elektro-Industrie eher skeptisch, ob durch die Flüchtlinge ein wirkungsvoller Beitrag zur Lösung des Fachkräfteproblems erreicht werden kann. Deutlich optimistischer sehen das die konsumnahen Dienstleistungen: fast 80 Prozent erhoffen sich Impulse für die Lösung des Fachkräfteengpasses.“

Volker Schmidt und Ulrich Christ von der Bundesagentur für Arbeit Niedersachsen-Bremen sind sich einig, dass die mangelnden Sprachkenntnisse das größte Integrationshemmnis seien. Von betrieblicher Seite ist es wichtig, den Migranten bei der Vermittlung von Weiterbildungsangeboten zu helfen. Christ: „Der Weg zum Arbeitsvertrag führt über Qualifikation und Kompetenz. Schließlich ist es für Unternehmen kein Selbstzweck, Migranten zu beschäftigen: Es geht darum geeignete, qualifizierte Mitarbeiter.“

Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler, Unternehmensberater und Autor, ist optimistisch: „Das Märchen von der gescheiterten Integration ist längst überholt. Migrantenkinder wissen, dass sie in Deutschland bleiben wollen. Wir müssen sie qualifizieren, damit sie nicht in die Schwarzarbeit abwandern.“ Dabei stünden drei Aspekte für ihn im Vordergrund, ohne die Integration nicht gelingen kann: Sprache, Ausbildung und Arbeit.

Das konnte auch Malermeister Martin Bauermeister bestätigen. Er lernte in seinem Heimatdorf nahe Helmstedt einen hochmotivierten jungen Schwarzafrikaner kennen. „Er hat sich im Dorfleben integriert und stand plötzlich in meiner Tür und klagte über Langeweile. Wir sind gemeinsam den Weg durch die Behörden gegangen, um die Genehmigungen zu bekommen. Er ist hochmotiviert, äußerst positiv – ein Gewinn für meinen Betrieb.“

Generation Facebook – Arbeitgeberattraktivität entscheidet

Im zweiten Themenblock ging es darum, wie sich jungen Mitarbeiter der sogenannten „Generation Facebook“ für Unternehmen gewinnen lassen. Prof. Dr. Michael Haller von der Media School in Hamburg verwies auf eine gesunde Balance zwischen Karriere, Freunde und Familie für die sogenannte „Generation Y“. Sie ist die erste Generation, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist und praktisch nur den Monitor als Kommunikationsfläche kennt. Haller: „Sie haben eine hohe Teamfähigkeit, wollen mit den Kollegen gemeinsam Ideen sammeln. Weil ihnen ihr Privatleben auch besonders wichtig ist, möchten sie gern regional verankert bleiben und sind nur bedingt mobil.“ Persönliche Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung sind für sie ganz wichtig, deshalb bevorzugen viele von ihnen auch eine berufliche Selbstständigkeit. Über die Hälfte würde ihren Kindern zuliebe auf Karriere verzichten. Andererseits sind Konfrontation und Konfliktmanagement bei ihnen nicht besonders ausgeprägt. Haller: „Damit können sie nicht umgehen.“

Werden die Unternehmen schon bald selbst zu den „Bewerbern“? Steffen Brinkmann von Continental in Hannover konnte diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Orientierung und Werte in einem Unternehmen werden immer wichtiger. Und auch die Sinnhaftigkeit der neuen Tätigkeit spiele bei den Bewerbern eine zunehmend große Rolle. Brinkmann:„Vertrauen und Freiheit sind für die künftigen Mitarbeiter entscheidende Gründe bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Und man stellt sich die Frage: Erfüllt mich meine Tätigkeit?“

So sah es auch Jungunternehmer Oliver Ihn – an dem Abend sozusagen Repräsentant der Generation Facebook. Er ist Journalist und Mediengestalter und hat sich auf Medienproduktionen spezialisiert. „Geld allein macht nicht glücklich. Spaß ist genauso wichtig“, sagte er. Die Chemie im Arbeitsumfeld müsse stimmen. „Das ist für mich entscheidend.“

Weblink zum Thema

Nach einem online-Bericht der Wirtschaftszeitung Aktiv stehen auch viele Kautschuk-Unternehmen bereit, um Flüchtlinge in den Arbeitsalltag einzubeziehen. Der Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK) hat zusammen mit anderen Verbänden rund 60 Auto-Zulieferer kontaktiert. Näheres dazu steht bei Aktivonline (Link zu diesem Artikel).

(dw)

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