Redner vor Publikum

Michael Wendt, Präsident des Wdk, meint in seiner Eröffnungsrede, dass aus den multiplen Schocks der letzten 30 Monate multiple Chancen entstehen könnten. (Bild: Redaktion)

Der Präsident des Verbandes Michael Wendt sprach bei seiner Eröffnungsrede direkt die Herausforderungen der Industrie an: Rohstoffkrise, Fachkräftemangel und die Klimakrise. Die Kautschukindustrie und ihre Produkte seien schon immer flexibel gewesen und werden es auch künftig sein. Wichtig sei der Austausch in der Branche, um voneinander zu lernen und Krisen gemeinsam zu überwinden. Der Schwerpunkt liegt 2022 auf der digitalen Resilienz, smart Factory, Industrie 4.0, Digitalisierung der Fabrik. Doch ist die Branche auf Cyberangriffe vorbereitet? Hierfür wurde der Arbeitskreis IT-Sicherheit gegründet und kürzlich aufgrund der aktuellen Relevanz ein Erfahrungsaustausch Energiemanagement ins Leben gerufen. Der Verband beschäftigt sich weiterhin mit dem Thema Carbon Footprint, um seine Mitglieder auf dem Weg zur produkt- und standortbezogenen CO2-Billanzierung zu begleiten. Im September ging die Wdk-Plattform nachhaltighandeln.net online, auf der die deutsche Kautschukindustrie zeigt, dass sie Verantwortung übernimmt und dementsprechend handelt. Wendt ist optimistisch, dass die Branche in der Lage ist multiple Schocks zu überwinden, wenn sie weiterhin Zuversicht ausstrahlt, ihre Lebensfreude erhält und sich inspirieren lässt, dann könnten daraus multiple Chancen entstehen.

Im Austausch mit der Bundesregierung

Videobotschaft zu Publikum
Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, sprach zur Kautschukindustrie. (Bild: Redaktion)

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, hat im Gespräch mit Michael Wendt vor einigen Wochen großes Interesse für die Anliegen der Kautschukbranche gezeigt. Themen waren die Neuregelung der Kreislaufwirtschaft, die Forderung eines Bundesbeauftragten für Rohstoffe oder die Auswirkung der Energiekrise auf die Elastomerindustrie. Per Videobotschaft gab Michael Kellner bei der Tagung einen Einblick in die Mittelstandspolitik der Bundesregierung in der Energiekrise. Die Versorgungssicherheit Deutschlands mit Gas ist sichergestellt und Deutschland sei aufgrund der ergriffenen Maßnahmen gut vorbereitet auf den Winter. Die Maßnahmen wirken sich auch auf den Spotmarkt aus, an dem die Preise bereits gesunken, aber noch sehr hoch seien, so Kellner. Die Gas- und Strompreisbremse wurde beschlossen und soll in diesem Jahr noch umgesetzt werden. Dies soll für Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit bei den Unternehmen sorgen, allerdings bleibt unabhängig der Maßnahmen eine Energieeinsparung aller wichtig. Als weiteren Punkt nannte er die Transformation zur Decarbonisierung, in deren Zug die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden müssen, auch von den Unternehmen. Hier wurde seitens der Regierung die Möglichkeit geschaffen, selbst erzeugten Strom nutzen zu können, ohne dass Netzendgelte fällig werden. Die aktuelle Krise zeigt die Notwendigkeit der Diversifizierung der Energieversorgung, um Unabhängigkeit zu erreichen.

Die neue Wdk-Vizepräsidentin

Portraitfoto Maria Röttger
Die neue Wdk-Vizepräsidentin Maria Röttger. (Bild: Michelin)

Am 10. November 2022 hat das Präsidum des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie auf seiner Sitzung Maria Röttger zur neuen Vizepräsidentin gewählt. Die Diplom-Wirtschaftsjuristin ist seit 1. Juni 2022 CEO und President Michelin Europe North und verantwortet die Aktivitäten der Michelin Gruppe in dieser Region. Röttger war zuvor in verschiedenen Positionen im französischen Lebensmittelkonzern Danone tätig, bevor sie beim global agierenden Finanzdienstleistungsinstitut Fidelity International als Senior HR Manager Central Europe tätig war. 2013 kehrte sie zur Danone-Gruppe als HR Director zurück und hatte dort zuletzt den Posten als Global HR Director/Transformation Lead inne. Maria Röttger begann ihre Karriere bei Michelin im Januar 2020 als Personalchefin für die Region Europa Nord. Im Juni 2020 übernahm sie die Position als Vice President Corporate Admin. Beim Wdk folgt Röttger auf Michael Wendt, Pirelli, der seit Juli 2022 Präsident des Wirtschaftsverbandes ist.

Themen der Branche

Die Orientierung in schwierigen Zeiten, war das Vortragsthema von Dr. Christoph Sokolowski, Wdk. Die Menge der Herausforderungen für die Unternehmen ist derzeit zu groß, da sie parallel auftreten. Daher ist es wichtig bestehende Netzwerke und Ressourcen zu nutzen. Der Verband steht in permanentem Kontakt mit den politischen Entscheidern in Berlin, um frühzeitig agieren zu können. Remko Koster, Executive Director EMEA C4 Olefins, Chemical Market Analytics, warf einen intensiven Blick auf die Rohstoffe. Die produzierte Menge an Butadien wächst derzeit hauptsächlich in Asien. In Europa soll die Produktion von Ethylen wieder ausgeweitet werden, um die Verfügbarkeit des Vorprodukts sicherzustellen. Vom Butadien, das 2022 weltweit produziert wurde, flossen 51 % in der Automobilindustrie. Die weltweiten Aussichten für die Automobilproduktion führte Justin Cox von LMC Automotion. Auch hier wirken sich die Krisen aus. Für 2023 sieht LMC noch ein schwieriges Umfeld, für 2024 jedoch eine Erholung am Automobilmarkt.

Michael Berthel, Wdk, blickte auf den Markt für Kautschukrohstoffe. Der Verband geht davon aus, dass die Teuerungsrate auch im Jahr 2023 bei 10 % liegen wird. Diese hat zwischenzeitlich Einflüsse auf das private Kaufverhalten. Die Tarifverhandlungen für Kautschukbranche starten im Mai 2023. In der Industrie zeigt sich eine Kluft zwischen Auftragsbestand und Produktionskapazitäten, sodass die Unternehmen immer pessimistischer in die Zukunft schauen. Die hohen Energiepreise führen außerdem dazu, dass über Verlagerungen ins Ausland nachgedacht wird. Jaume Campana, VP & Regional Business Director, Reinforcement Materials bei Cabot, wollte in seinem Vortrag zur Rußversorgung in Europa Optimismus verbreiten. Er sagte, dass die schweren Elektroautos einen deutlich höheren Reifenabrieb besäßen und das sei gut für die Kautschukbranche. Ruß sei am Markt verfügbar und in Summe wird seines Erachtens nach mehr Ruß im Auto eingesetzt werden. Der Mehreinsatz erfolge nicht unter der Haube, sondern zur Geräuschreduzierung und bei den Reifen.

Hat die Kautschukindustrie eine Zukunft?

4 Männer sitzend auf einer Bühne
Dr. Ralf Holschumacher, Michael Wendt, Boris Engelhardt und Anisch K. Taneja diskutierten über die Zukunft der Kautschukindustrie. (Bild: Redaktion)

Die Zukunft der Kautschukindustrie diskutierten zum Abschluss der Veranstaltung Michael Wendt, amtierender Wdk-Präsident und seine Vorgänger Anish K. Taneja (2020 bis 2022) und Dr. Ralf Holschumacher (2014 bis 2020). Eine wichtige Frage wenn es um die Zukunft aller Branchen geht ist der Nachwuchs. Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer Wdk und Moderator der Gesprächsrunde, sagte, dass junge Leute nein zur Kautschukbranche sagen, da sie dort ihre Karriere nicht beenden könnten. Aus Sicht von Anish K. Taneja wird es keine Industrie geben, die nicht vor der Transformation steht. Die chemische und Kautschukindustrie bergen viel Innovationspotential, auf das für die Zukunft aufgebaut werden kann. Michael Wendt ist sich sicher, dass auch in der Zukunft Autos, Lkws, Zweiräder gefahren und weitere Gummiartikel benötigt werden. Daher hat die Kautschukindustrie eine Zukunft. Dr. Ralf Holschumacher sieht, dass problemorientierte Lösungen vor den materialspezifischen Lösungen stehen. Es wird Produkte geben, die auch in 10 Jahren noch so aussehen wie heute. Weiterhin sei für die jungen Mitarbeiter das Arbeitsumfeld sehr wichtig. Boris Engelhardt schließt mit den Worten: „Die Branche muss ein positives Bild in die Generation Z tragen!“

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