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(Bild: Deutsche Kautschuk-Gesellschaft e.V.)

Welche Impulse erwarten Sie von der diesjährigen DKT?

Mann mit Brille im Anzug.
Prof. Dr.-Ing. Andreas Limper ist Geschäftsführer und 1. stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DKG in Frankfurt. (Bild: DKG, Frankfurt)

Prof. Andreas Limper: Die Branche hat sich über fast drei Jahre kaum persönlich treffen können. Die gemeinsamen Termine, welche es gab, haben ja in der Regel online stattgefunden. Dies ist vor allem deshalb problematisch, da wir sehr turbulente Zeiten durchleben. Die Umstellung der Automobilindustrie weg vom Verbrenner, die Logistik Krise durch die Corona Pandemie, die Pandemie selbst und dann noch der Ukraine Krieg „on top“ führen bei nahezu allen Branchenvertretern zu erheblichen Herausforderungen. In solchen Zeiten sind persönliche Treffen und die Pflege eines größeren Netzwerks besonders wertvoll. Ich erwarte daher, dass die DKT – welche ja auch eine IRC ist – sehr gut besucht sein wird. Die aktuellen Themen der Kautschukindustrie sind im Vortragsprogramm gut repräsentiert. Es gibt viele Vorträge unter anderem zu dem Thema Rohstoffe, Simulation und Verfahren, aber auch die Themen Nachhaltigkeit und zukünftige Entwicklungen im Bereich Mobilität werden beleuchtet. Das wissenschaftliche Programm wird ergänzt durch Vorträge von Industrievertretern, welche neue Produkte oder Neuentwicklungen in einem neuen Vortragsformat („Solutions“) an einer gesonderten Stelle des Messegeländes vorstellen werden. Das Ausstellungsgelände ist zurzeit – auch im Vergleich mit 2018 – zu einem großen Prozentsatz ausgebucht. Besucher werden daher zahlreiche Gelegenheiten haben, mit Unternehmensrepräsentanten direkt zu kommunizieren. Die Kautschukindustrie hat in ihrer Zeit schon viele Krisen erlebt. Immer war die Vernetzung sehr hilfreich beim Finden hochelastischer Lösungen. Es ist daher schwer vorzustellen, dass hier keine wichtigen Impulse für den eigenen Betrieb oder auch strategisch relevante Informationen zu gewinnen sind.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, die die Kautschukbranche derzeit und in den kommenden Jahren zu bewältigen hat?

Prof. Limper: Die gegenwärtigen Herausforderungen sind, wie schon gesagt, vielfältig. Augenblicklich sind es vor allem viele Probleme im Bereich Materialmanagement, welche die gesamte Branche zu meistern hat. Manche Rohstoffquellen fallen aus, andere Materialien zeigen Preissprünge im dreistelligen Prozentbereich und zu allem Überfluss sind Lieferzeiten vielfach unkalkulierbar geworden. Kautschukverarbeitern bleibt daher nichts anderes übrig, als neue Lieferquellen zu erschließen. Daneben gibt es eine Vielzahl von Innovationen, da auch die Kunden der Kautschukindustrie offener sind, neue Wege zu beschreiten. In strategischer Hinsicht ist der Wandel zur E-Mobilität sicher für viele Verarbeiter eine existenzielle Herausforderung. Traditionelle Produkte fallen hierdurch gegebenenfalls komplett weg. Andrerseits gibt es Chancen für neue Lösungen, welche die elektrisch angetrieben Automobile erfordern. Auch das Thema Brennstoffzelle/Wasserstoff-Auto ergibt partiell sehr interessante Produktideen. Last but not Least beschäftigt das Thema Nachhaltigkeit die Branche sehr stark. Hier wird an vielen Stellen angesetzt. Die Produktionsverfahren werden „Energie-effizienter“ und „Abfall-ärmer“. Es gibt neue Ideen zum Recycling der Werkstoffe. Alles in allem werden wir in Nürnberg sehen, dass die Kautschukindustrie den Wandel in vielen Bereichen als Momentum für neue interessante Geschäftsfelder nutzen wird.

 

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Wie ist es aus Ihrer Sicht um den Nachwuchs und die Fachkräfte in der Kautschukindustrie bestellt?

Prof. Limper: Das ist augenblicklich ein sehr wichtiges – aber leider auch problematisches – Thema. An vielen Hochschulen und Universitäten läuft die Lehre/Forschung zum Thema Kautschuk im Themenbereich Polymerverarbeitung. Das aktuelle „Kunststoff-Bashing“ hat dazu geführt, dass das Interesse junger Menschen sich eher auf andere Felder fokussiert. Die Studentenzahlen im Feld der Polymerverarbeitung gehen daher vielfach zurück. Die Kautschuktechnologie, als weitere Spezialisierung der Polymerverarbeitung, ist davon dann in besonderen Maße betroffen. Mittelfristig wird deshalb die Anzahl der Absolventen mit „Kautschukwissen“ zurück gehen. Es ist daher unserer aller Aufgabe, für die Kautschukindustrie zu werben. Wdk und DKG sind hier beispielsweise im Bereich der DKT aktiv, etwa, indem wir Studenten Reisekosten zum Messebesuch finanzieren. Die DKG bietet Studentinnen und Studenten darüber hinaus eine kostenlose Mitgliedschaft an. Es sind aber in naher Zukunft unbedingt weitere Maßnahmen erforderlich, um die jungen Menschen für die Kautschukindustrie zu gewinnen.

Wie wird sich Ihres Erachtens das Recycling von Elastomerprodukten entwickeln?

Prof. Limper: Das eigentliche „Recycling“, das heißt das Aufschmelzen des Gummis, um eine verarbeitungsfähige Schmelze zu gewinnen, ist ja bekanntlich nicht möglich. Trotzdem sind zur Zeit vielfältige Recyclingansätze erkennbar. So gibt es viele neue Forschungsarbeiten zu einer gezielteren Devulkanisation von Kautschuk-Netzwerken. Dabei zeigt sich, dass die verschiedenen Polymere zum Teil mithilfe unterschiedlicher Devulkanisationshifsmittel bearbeitet werden müssen. Es zeigt sich auch, dass solchermaßen gewonnene Devulkanisate durchaus einer weiteren Verarbeitung zugeführt werden können. Leider gelten diese Erkenntnisse nicht für alle Polymere im gleichen Maße. Daneben gibt es Ansätze zur Pyro-lyse mit Rückgewinnung einzelner Bestandteile, zum Beispiel Pyrolyse-Öl oder recyceltem Ruß (rCB). Insgesamt also durchaus Ansätze zum Recycling sortenreiner und gemischter Abfälle. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen steht und fällt mit den Rohstoffkosten. Da wir zur Zeit hohe Einstandspreise haben, gewinnt das Recycling an Bedeutung. Nicht zu vernachlässigen ist angesichts der Grenzen des Recyclings die Forderung nach einer längeren Nutzungsdauer der Produkte. Meines Erachtens nach werden daher Verfahren, wie beispielsweise die Runderneuerung von Pkw-Reifen wieder bedeutender.

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Wie werden sich Ihrer Ansicht nach der Konflikt in der Ukraine und die damit einhergehenden Sanktionen auf die Kautschukbranche auswirken?

Prof. Limper: Die Ukraine und auch Russland waren wichtige Lieferanten für Polymere und Füllstoffe. Der Komplettausfall dieser Lieferanten bringt die Branche kurzfristig in große Probleme. Die in den genannten Ländern aufgebauten Kapazitäten lassen sich nicht kurzfristig durch andere Lieferanten ersetzen. Die Lage am Rohstoffmarkt wird daher diesbezüglich sicher noch einige Monate, wenn nicht Jahre, sehr angespannt bleiben. Die Produktionsunterbrechungen einiger Automobilhersteller haben hier sogar für etwas Entlastung gesorgt, bei einem Hochlauf der Pkw-Produktion sollten aber die genannten Problem noch für viele Schwierigkeiten sorgen. Aber, wie bereits einleitend erwähnt, haben die Kautschukverarbeiter in der Vergangenheit schon mehrfach ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität bewiesen. Die DKT könnte in diesem Sinne Signale der Zuversicht senden. Durch die vielfältigen persönlichen Kontakte, welche oft auch die gesamte Wertschöpfungskette überstreichen, können in vielen Fällen Probleme wesentlich entschärft werden. In diesem Sinne meine ich: Nie war eine DKT so wichtig wie 2022!

Das Interview führte Simone Fischer, Redakteurin KGK und PLASTVERARBEITER. simone.fischer@huethig.de

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