WIP-Elastomerforum 2026 in Osnabrück Elastomere im digitalen Kreislauf

Von Matthias Gutbrod 4 min Lesedauer

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Am 10. März 2026 verwandelte sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück in ein lebendiges Zentrum für den Wissensaustausch unter Elastomer-Experten. Der Anlass war ein doppelter: Das Wissens- und Innovations-Netzwerk Polymertechnik (WIP) lud zum Elastomerforum 2026 ein und feierte gleichzeitig sein 25-jähriges Jubiläum.

WIP-Gründungsmitglied Prof. Dr. Gunter Weber (l.) und WIP-Vorsitzender Prof. Dr. Thorsten Krumpholz (r.) würdigen Berit Bartram (Mitte) zum 25-jährigen Jubiläum des WIP für ihre langjährige Arbeit als Netzwerk-Koordinatorin. Berit Bartram sei „das organisatorische Herz des Vereins“.(Bild:  KGK/Gutbrod)
WIP-Gründungsmitglied Prof. Dr. Gunter Weber (l.) und WIP-Vorsitzender Prof. Dr. Thorsten Krumpholz (r.) würdigen Berit Bartram (Mitte) zum 25-jährigen Jubiläum des WIP für ihre langjährige Arbeit als Netzwerk-Koordinatorin. Berit Bartram sei „das organisatorische Herz des Vereins“.
(Bild: KGK/Gutbrod)

Am 10. März 2026 verwandelte sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück in ein lebendiges Zentrum für den Wissensaustausch unter Elastomer-Experten. Der Anlass war ein doppelter: Das Wissens- und Innovations-Netzwerk Polymertechnik (WIP) lud zum Elastomerforum 2026 ein und feierte gleichzeitig in gelöster, familiärer Atmosphäre sein 25-jähriges Jubiläum.

25 Jahre Wissenstransfer

Seit seiner Gründung im August 2001 fungiert das WIP als Brückenbauer zwischen allen Akteuren der polymeren Wertschöpfungskette – von Forschungslaboren bis in die Werkshallen. Das Jubiläumsforum verdeutlichte, dass dieser Dialog wichtiger ist denn je. Ein Grundsatz, den Prof. Dr. Gunter Weber bereits in den Anfängen des WIP prägte, hat bis heute Bestand: „Wissen teilen heißt Wissen verdoppeln“, so der WIP-Mitbegründer zur Bedeutung von Netzwerken. Dieser Geist der Offenheit prägte die Gespräche in Osnabrück auch dieses Jahr.

Angesichts der Transformation der Branche mahnte Prof. Dr. Thorsten Krumpholz, Vorstandsvorsitzender des WIP, zu noch engerer Kooperation: „Wir müssen miteinander und nicht gegeneinander Netzwerken“, betonte er mit Blick auf die anstehenden Aufgaben in den Bereichen Kreislaufwirtschaft und Nachwuchsförderung. „Das Netzwerk dient hierbei als Plattform, um Lösungen wie die Kreislaufführung nicht isoliert, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette anzugehen.“

In einem emotionalen Moment der Veranstaltung wurde Berit Bartram besonders gewürdigt. Als langjährige Netzwerk-Koordinatorin ist sie das organisatorische Herz des Vereins. Für ihre jahrelange, verdienstvolle Arbeit und ihren unermüdlichen Einsatz für das WIP-Netzwerk wurde sie unter großem Applaus mit einem Blumenstrauß geehrt.

Elastomer-Industrie in der Transformation

Nach den Feierlichkeiten zum Jubiläum ging es in die Fachthemen. Die 50 Branchenexperten diskutierten auf dem Elastomer-Forum zu den beiden wichtigsten Themen derzeit: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Unter der Moderation von Prof. Dr. Ulrich Giese (DIK) und Prof. Dr. Markus Susoff (Hochschule Osnabrück) wurde deutlich: Die Zukunft liegt in der Symbiose aus digitaler Prozesssteuerung und geschlossenen Materialkreisläufen.

Prof. Dr. Ulrich Giese (DIK Hannover) führte als Moderator durch das eintägige WIP-Elastomerforum am 10. März 2026 in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück.
(Bild: KGK/Gutbrod)

Insgesamt neun Experten präsentierten auf dem Forum ihre neuesten Erkenntnisse, wobei das Thema Nachhaltigkeit die erste Tageshälfte dominierte. „Die Elastomerbranche steht vor steigenden Anforderungen an moderne Polymer-Werkstoffe – sowohl unter technischen als auch unter Nachhaltigkeitsaspekten“, ordnete Prof. Dr. Ulrich Giese die Relevanz ein.

Strategien für echte Kreislaufwirtschaft

Ein zentraler Aspekt war dabei die Erweiterung des Kreislaufpotenzials von thermoplastischen Elastomeren (TPE). Magdalena Michl (Kraiburg TPE) verdeutlichte, dass ein konsequenter „Design-for-Recycling“-Ansatz notwendig ist, um geschlossene Materialkreisläufe technisch und wirtschaftlich zu erschließen. Lukas Kling (Allod) ergänzte dies um die Analyse des CO2-Fußabdrucks und den Einsatz von PCR/PIR-Anteilen (Post-Consumer/Post-Industrial Recyclate) in TPE-Anwendungen.

Die Grenzen des mechanischen Recyclings wurden ebenfalls thematisiert. Dr. Patrick Bolze und Dr. Lena Marie Funke (BASF) zeigten auf, wie chemische „Reparaturen“ an Polymerketten gealterte Materialien auf die ursprüngliche Qualität zurückführen können. Durch diesen Prozess lassen sich Recyclinganteile von bis zu 98 % realisieren, während gleichzeitig Molekulargewichtsverluste von etwa 40 % ausgeglichen werden. Parallel dazu präsentierte Dr. Rupert Schnell (Evonik) Fortschritte beim chemischen Recycling von PU-Schäumen, die eine Rückführung von Altschäumen in ihre chemischen Ausgangsstoffe bis in den Technikums-Maßstab ermöglichen.

Digitalisierung entschlüsselt komplexe Prozesse

Der zweite Schwerpunkt des Forums adressierte die Digitalisierung als Werkzeug zur Qualitätsoptimierung und Ressourceneffizienz. Die Herausforderung ist bekannt: Chargenschwankungen in Kautschukmischungen führen oft zu Ausschuss. Ole Bodem (DIK) präsentierte hierzu die „Smart Rubber Extrusion“, eine mit Sensorik und KI-Algorithmen ausgestattete Linie, die Materialabweichungen in Echtzeit erkennt und Prozessparameter automatisch anpasst. Ziel ist eine selbstregulierende Produktion, die den Faktor Mensch entlastet und Materialverluste minimiert.

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Die theoretische Basis für solche Systeme liefern datengesteuerte Prozessmodelle, wie sie Anke Bardehle (IKV RWTH Aachen) für den diskontinuierlichen Mischprozess im Innenmischer vorstellte. Durch physikalische Modelle können optimierte Prozesseinstellungen effizient entwickelt werden, ohne langwierige und teure Versuchsreihen auf Produktionsmaschinen durchführen zu müssen. Diese Kombination aus tiefem Werkstoffverständnis und KI-gestützter Steuerung markiert den Weg der Elastomerverarbeitung in Richtung Industrie 4.0.

Elastomerforum mit drei Kernbotschaften

Das WIP-Elastomerforum 2026 in Osnabrück markierte nicht nur einen feierlichen Meilenstein zum 25-jährigen Bestehen des WIP-Kunststoffe e.V., sondern diente auch als Kompass für eine Branche im Umbruch. In einer Ära, in der technische Anforderungen und regulatorischer Druck simultan steigen, ist isoliertes Expertenwissen nicht mehr ausreichend. Das Forum hat unterstrichen, dass Netzwerke wie der WIP das „zentrale Nervensystem“ der Transformation bilden. Der gelebte Austausch ermöglicht es, die Time-to-Market für Innovationen zu verkürzen, da Forschungsergebnisse unmittelbar auf die industrielle Praxis treffen.

Prof. Dr. Markus Susoff (Hochschule Osnabrück) resümiert zum Abschluss die Bedeutung von KI und fundierter Materialcharakterisierung für die Kreislaufwirtschaft. Als Mitorganisator und fachlicher Leiter ist er zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Giese vom DIK eine Schlüsselfigur des Formats.(Bild:  KGK/Gutbrod)
Prof. Dr. Markus Susoff (Hochschule Osnabrück) resümiert zum Abschluss die Bedeutung von KI und fundierter Materialcharakterisierung für die Kreislaufwirtschaft. Als Mitorganisator und fachlicher Leiter ist er zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Giese vom DIK eine Schlüsselfigur des Formats.
(Bild: KGK/Gutbrod)

Die in Osnabrück vorgestellten Projekte zeigten, dass die Branche den Weg von der linearen Kette hin zum echten Kreislauf beschreitet. Der Trend geht dabei weg von der bloßen Vermeidung eines „Downcyclings“ hin zu hochwertigem mechanischem und chemischem Recycling. Ein entscheidender Hebel für die Zukunft wird das Design-for-Recycling sein: Produkte müssen bereits in der Entwicklungsphase so konzipiert werden, dass die stoffliche Trennung von Verbundsystemen wirtschaftlich skalierbar wird.

Das Elastomer-Forum 2026 zeigte ebenfalls auf, dass die Digitalisierung kein bloßes Schlagwort mehr ist, sondern der Enabler für Nachhaltigkeit. Smart Rubber Extrusion und KI-basierte Prozesssteuerungen ermöglichen es heute, Materialschwankungen in Echtzeit auszugleichen. Dieser „digitale Schatten“ der Produktion führt zu einer signifikanten Reduktion von Ausschuss und Energieverbrauch.

Fazit: Das 8. Elastomerforum in Osnabrück hat bewiesen, dass die Elastomerindustrie bereit für die „Twin Transformation“ (grün und digital) ist. Der Geist des WIP-Netzwerkes ist geprägt von Offenheit und Kooperation und bildet damit einen wichtigen Baustein zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Elastomer-Branche.