Krise in der Automobil-Zulieferkette Zulieferer am Limit: WDK kritisiert Autobauer

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Die deutsche Automobilbranche muss hohe Abschreibungen vornehmen und versucht, die Kosten auf die Zulieferer durchzureichen. Doch das gefährde den Industriestandort Deutschland insgesamt, warnt der WDK.

Zulieferer von Automobilkomponenten sehen sich von der aktuellen Preispolitik der OEMs in ihrer Existenz bedroht.(Bild:  stock.adobe.com - THINK b)
Zulieferer von Automobilkomponenten sehen sich von der aktuellen Preispolitik der OEMs in ihrer Existenz bedroht.
(Bild: stock.adobe.com - THINK b)

Die aktuelle Lage der Automobilindustrie am Standort Deutschland ist von heftigen Strukturanpassungen geprägt. „Diese sind schmerzhaft und wir fühlen mit allen Betroffenen“, sagt Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WDK). Engelhardt warnt die OEMs allerdings vor fahrlässigen Preisforderungen an die Zulieferer, die den Industriestandort in Deutschland substanziell gefährden können. 

Wirtschaftliche Entkoppelung gefährdet Betriebe

Analysen des WDK deuten darauf hin, dass sich die geschäftliche Entwicklung der OEMs erstmals seit dem vergangenen Jahr von der ihrer deutschen Zulieferer strukturell entkoppelt. Während die großen OEMs trotz sinkender Margen und hoher Abschreibungen durch globale Diversifizierung und Kostensenkungsprogramme (oft zulasten der Zulieferer) ihre Marktposition stabilisieren wollen, trifft der Schrumpfungsprozess die inländischen Zulieferer unmittelbar und existenziell. In dieser Situation können die Zulieferer keine weiteren Preissenkungen verkraften.

Ein Kritikpunkt des Verbandes betrifft auch die strategische Ausrichtung der Automobilhersteller. Abschreibungen in Höhe von 65 Mrd. Euro aufseiten der Automobilindustrie im Jahr 2025 resultieren laut WDK aus einer mangelnden Technologieoffenheit und fehlender Weitsicht in der staatlichen Mobilitätsregulierung.

Zulieferer als Partner der Automobilindustrie

Trotz disruptiver globaler Schocks seit 2019 hielten die Zulieferer ihre Lieferfähigkeit durch maximale Flexibilität aufrecht, mussten jedoch gleichzeitig ihre Kapazitäten massiv zurückfahren. Sie erwiesen sich damit als zuverlässige Partner der Automobilindustrie.

Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WDK), warnt vor der ruinösen Preispolitik in der Zulieferindustrie.(Bild:  WDK)
Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WDK), warnt vor der ruinösen Preispolitik in der Zulieferindustrie.
(Bild: WDK)

„Dass jetzt in dieser Situation die Automobilhersteller von ihren Zulieferern massive finanzielle Zugeständnisse verlangen, ist fahrlässig. In jedem Fall aber für diese existenzgefährdend“, sagt Boris Engelhardt. Der Verband betont, dass die Grenze des Machbaren für die oft mittelständisch geprägten Unternehmen nun erreicht sei.

Innovationsstandort Deutschland in Gefahr

Die ehemals erfolgreiche Kooperation, die die deutsche Automobilbranche über Jahrzehnte global federführend machte, sieht der WDK durch rein kostengetriebenes Agieren der OEMs als beendet an. Dies gefährde unmittelbar die Zukunft Deutschlands als Standort für eine innovative Produktion von Kfz-Zulieferungen. Der Verband, der über 200 Unternehmen mit mehr als 60.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 10 Mrd. Euro vertritt, fordert ein Umdenken.

„Die Kapazitätsanpassungen in der Automobilindustrie dürfen nicht dazu führen, dass Hersteller massive Preisnachlässe auf das laufende Geschäft der bereits geschrumpften Zulieferer einfordern“, sagt Boris Engelhardt und stellt klar: „Solidarität ist keine Einbahnstraße.“

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