EU-Vorschlag zur Entlastung der Reifenbranche Brüssel plant digitales Reifenlabel

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

Die Europäische Kommission will die Bürokratie bei der Reifenkennzeichnung drastisch senken und stärkt digitale Optionen. Der neue Verordnungsentwurf befreit Hersteller und Händler von administrativen Lasten, während die Marktüberwachung modernisiert wird.

Die Europäische Kommission will die Reifenkennzeichnung digitalisieren und vereinfacht die Aktualisierung der Labels, wenn Energieeffizienzklassen neu skaliert werden müssen.(Bild:  Continental)
Die Europäische Kommission will die Reifenkennzeichnung digitalisieren und vereinfacht die Aktualisierung der Labels, wenn Energieeffizienzklassen neu skaliert werden müssen.
(Bild: Continental)

Die Brüsseler Behörde hat eine umfassende Vereinfachung der Kennzeichnungspflichten für Reifen vorgelegt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, den Verwaltungsaufwand für Zulieferer, Hersteller und Händler spürbar zu reduzieren, ohne den Informationsgehalt für Endverbraucher zu schmälern. Kern der Reform ist eine stärkere Flexibilisierung bei der Darstellung der Labels durch digitale Lösungen.

Digitale Optionen und Erleichterungen im Autohandel

Für die Reifenbranche bringt der Entwurf konkrete Erleichterungen im operativen Geschäft. Unter anderem entfällt die Pflicht für Fahrzeughändler, das Reifenlabel beim Verkauf von Neuwagen zwingend vorzuzeigen, da Neuwagenkäufer ohnehin selten eine Wahl zwischen verschiedenen Reifenmodellen haben. Zudem vereinfacht die Neuregelung den rechtlichen Prozess für die Aktualisierung der Labels, wenn Energieeffizienzklassen neu skaliert werden müssen. Die Verantwortung von Vertretern von Reifenherstellern außerhalb der Europäischen Union wird präzisiert, um faire Wettbewerbsbedingungen im Markt zu sichern.

Gleichzeitig treibt die Kommission die Digitalisierung der Marktüberwachung über die europäische Produktdatenbank für Energieverbrauchskennzeichnung (EPREL) voran. Der Entwurf stellt sicher, dass produktspezifische Details, die für Beschaffungsstellen und Überwachungsbehörden essenziell sind, künftig lückenlos digital bereitgestellt werden. Dies erleichtert Kontrollen, insbesondere im stark wachsenden Online-Handel, wo bisherige Berichte häufige Verstöße belegten.

„Unsere Vorschläge zur Vereinfachung der Regeln für Energieprodukte liefern vernünftige Lösungen, ohne die politischen Ziele zu untergraben“, erklärt Valdis Dombrovskis, Kommissar für Wirtschaft und Produktivität sowie Umsetzung und Vereinfachung bei der Europäischen Kommission. Die Brüsseler Behörde senke damit Bürokratie, ohne Abstriche bei den Standards zu machen, betont der Kommissar.

Anreize für noch effizientere Reifen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen zudem Anreize für Hersteller schaffen, noch effizientere Reifencompounds zu entwickeln. Bisher war die Anpassung von Reifenlabels an den technischen Fortschritt ein träger, rein bürokratischer Prozess. Wenn die Reifenphysik voranschreitet, drängen immer mehr Produkte in die obersten Effizienzklassen (z. B. Klasse A), wodurch die Differenzierung für den Endkunden verloren geht. Um das zu verhindern, müssen die Grenzwerte der Klassen regelmäßig verschärft werden, sodass die Klasse A temporär wieder „leergewischt“ wird.

Der neue Verordnungsentwurf vereinfacht das rechtliche Verfahren zur Neuskalierung erheblich. Für die Mischungsentwicklung bedeutet das: Der regulatorische Druck, über innovative Silica-Silan-Systeme oder funktionalisierte Polymere (wie F-SSBR) den Rollwiderstand kontinuierlich weiter zu senken, bleibt dynamisch hoch. Wer technologisch stehen bleibt, rutscht im Label-Ranking schneller ab.

„Unser Vorschlag ist ehrgeizig und macht die Regeln fit für das digitale Zeitalter, klarer für die Verbraucher und einfacher für die Unternehmen“, unterstreicht Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für fairen Wettbewerb bei der Europäischen Kommission. Der Entwurf wird nun an das Europäische Parlament und den Rat übermittelt. Nach der Verabschiedung durch die Co-Gesetzgeber können die neuen Regeln unmittelbar in Kraft treten und die Marktprozesse in der europäischen Reifenindustrie straffen.

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