EU-Handelspolitik in der Reifenindustrie Reifenverband lehnt CBAM-Ausweitung ab

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Die geplante Ausweitung des CO2-Grenzausgleichs gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Reifenhersteller. Reifen Deutschland warnt vor steigenden Kosten durch Abgaben auf stahlbasierte Vorprodukte, während importierte Fertigreifen unberührt bleiben.

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) etabliert eine CO₂-Bepreisung für Importe bestimmter Vorprodukte. Die ungleiche Belastung von Vorprodukten gegenüber importierten Fertigwaren gilt in der Wirtschaft als eine der größten strukturellen Schwachstellen des CBAM-Systems.(Bild:  Stock.adobe.com/NazeerArt)
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) etabliert eine CO₂-Bepreisung für Importe bestimmter Vorprodukte. Die ungleiche Belastung von Vorprodukten gegenüber importierten Fertigwaren gilt in der Wirtschaft als eine der größten strukturellen Schwachstellen des CBAM-Systems.
(Bild: Stock.adobe.com/NazeerArt)

Am 30. Juni 2026 hat sich Reifen Deutschland, die Reifen-Plattform des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WDK), offiziell gegen die geplante Ausweitung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) ausgesprochen. Die Neuregelung betrifft stahlbasierte Vorprodukte (Stahlcord, Wulstdraht), die eine wesentliche Werkstoffkomponente in der Reifenfertigung darstellen. Der Verband sieht darin eine einseitige Belastung der europäischen Reifenhersteller, die bereits unter hohen Energie- und Arbeitskosten sowie internationalen Überkapazitäten leiden. Eine isolierte Einbeziehung dieser Rohstoffe verfehlt laut Branchenvertretern das eigentliche Klimaschutzziel, da sie die Wettbewerbsfähigkeit schwächt, ohne globale Emissionen effektiv zu senken. 

Wettbewerbsnachteil durch ungleiche Belastung

Stephan Rau, Technischer Geschäftsführer beim WDK und Leiter von Reifen Deutschland, warnt vor einem neuen Wettbewerbsnachteil durch CBAM-Ausweitung auf stahlbasierte Vorprodukte für Reifen.(Bild:  WDK)
Stephan Rau, Technischer Geschäftsführer beim WDK und Leiter von Reifen Deutschland, warnt vor einem neuen Wettbewerbsnachteil durch CBAM-Ausweitung auf stahlbasierte Vorprodukte für Reifen.
(Bild: WDK)

Die europäische Reifenindustrie sieht durch die geplante Erweiterung des CO2-Grenzausgleichs ihre Marktposition gefährdet. Während die Abgaben auf importierte Stahlvorprodukte die Herstellkosten innerhalb Europas erhöhen, bleiben importierte Fertigreifen von diesen CBAM-Gebühren unberührt. 

„CBAM kann Wettbewerbsverzerrungen nur verhindern, wenn er konsequent angewendet wird“, erklärt Stephan Rau, Technischer Geschäftsführer beim WDK und Leiter von Reifen Deutschland. „Werden nur einzelne Vorprodukte belastet, während Fertigreifen-Importe ungeschoren bleiben, entsteht ein neuer Wettbewerbsnachteil für europäische Hersteller“, betont Stephan Rau. 

Forderungen nach Ganzheitlichkeit und Kohärenz

Der Branchenverband fordert von der Politik und der EU-Kommission eine grundlegende Überarbeitung der regulatorischen Strategie. Statt einer isolierten Ausweitung verlangt die Industrie einen ganzheitlichen Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette abbildet und Carbon Leakage bei Endprodukten wirksam verhindert.

Zudem mahnt die Kautschukindustrie eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen klimapolitischen Instrumenten an. Hierbei müssen die Regelungen von CBAM, dem EU-Emissionshandel (ETS I) und dem Industrial Accelerator Act (IAA) enger verzahnt werden, um administrative Doppelbelastungen der Betriebe zu vermeiden

Praxistauglichkeit im Fokus

Bevor weitere nachgelagerte Produkte in das System aufgenommen werden, muss laut Positionspapier ein einfaches und technisch umsetzbares System etabliert sein. Reifen Deutschland schlägt vor, eine ständige Arbeitsgruppe aus Vertretern der Politik, der EU-Kommission und den betroffenen Industriezweigen einzurichten. Dieses Gremium soll frühzeitig einen verlässlichen und realistischen Entwicklungspfad für zukünftige Erweiterungen definieren. Ziel bleibt es, Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung in Europa gleichermaßen zu sichern, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Verarbeiter zu gefährden. 

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM)

Der CBAM (CO2-Grenzausgleichsmechanismus) ist ein europäisches umwelt- und handelspolitisches Instrument, das eng mit dem EU-Emissionshandel (ETS I) verknüpft ist. Er reguliert die Einhaltung administrativer Vorgaben und etabliert eine CO2-Bepreisung für Importe bestimmter Güter und Vorprodukte in die Europäische Union.
 

Welche Intention hat CBAM?

Der Mechanismus soll verhindern, dass emissionsintensive Produktionen und industrielle Wertschöpfung aufgrund strenger EU-Auflagen in Länder mit geringeren Klimaschutzstandards verlagert werden. Er zielt darauf ab, Wettbewerbsverzerrungen zwischen europäischen Herstellern und Importeuren aus Drittstaaten anzugleichen, die durch differierende globale Klimaschutzstandards entstehen. Das übergeordnete Ziel ist es, weltweite Treibhausgasemissionen wirksam und nachhaltig zu senken.
 

Wie wirkt CBAM?

Der CBAM erfasst die CO2-Kosten importierter Waren entlang der Wertschöpfungskette. Durch die Einbeziehung von Vorprodukten (wie beispielsweise stahlbasierten Komponenten) werden Importe finanziell belastet, um deren Preisniveau an die CO2-Kosten anzupassen, die heimische Hersteller im EU-Emissionshandel tragen müssen.
 

Systemischer Fehler beim CBAM

Wenn der CBAM isoliert auf Vorprodukte angewendet wird, ohne nachgelagerte Verarbeitungsstufen einzubeziehen, verkehrt sich die eigentliche Schutzfunktion ins Gegenteil. Aus Sicht von Reifen Deutschland entsteht dadurch ein systemischer Fehler. Die Abgaben auf importierte Stahlvorprodukte erhöhen die Herstellkosten für Reifenhersteller innerhalb der EU unmittelbar.

Da die fertigen Endprodukte – in diesem Fall Reifen – bei der Einfuhr in die EU nicht mit entsprechenden CBAM-Gebühren belegt werden, bleiben ausländische Hersteller von diesen Mehrkosten verschont. Heimische Verarbeiter verlieren dadurch an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Der Mechanismus gleicht Wettbewerbsverzerrungen somit nicht aus, sondern schafft eine neue, regulatorisch bedingte Benachteiligung für den europäischen Standort.

Der Verband Reifen Deutschland warnt daher ausdrücklich davor, dass ein solcher unvollständiger Grenzausgleich das Phänomen des Carbon Leakage (die Verlagerung der Produktion in Länder mit laxeren Umweltauflagen) nicht verhindert, sondern durch den steigenden Kostendruck auf europäische Betriebe sogar unfreiwillig beschleunigt.

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