Kreislaufwirtschaft in der Reifenindustrie  Genan übernimmt Estato-Werk in Weiden

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Der Umweltkonzern Genan übernimmt das Altreifen-Recyclingwerk von Estato Umweltservice in Weiden von der ATU Group. Die Anlage verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von 45.000 Tonnen. Parallel zum Kaufvertrag wurde zwischen den Parteien die fortgesetzte Lieferung von Altreifen an die Anlage geschlossen. 

Altreifen-Recyclingwerk von Estato (ATU Group) in Weiden.(Bild:  Estato)
Altreifen-Recyclingwerk von Estato (ATU Group) in Weiden.
(Bild: Estato)

Ende Juni 2026 unterzeichnete die Genan Holding A/S einen Kaufvertrag für die mechanische Aufbereitungsanlage für Altreifen im oberpfälzischen Weiden. Verkäufer ist die ATU Group, eine der größten Werkstattketten Deutschlands. Das Werk verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 45.000 Tonnen Altreifen. Genan betreibt bereits sechs Recyclinganlagen in Dänemark, Deutschland, Portugal und den USA mit einer Gesamtkapazität von mehr als 400.000 Tonnen Reifen pro Jahr.

Die Übernahme ist Teil der Strategie von Genan, seine Marktpräsenz in Europa zu stärken und Zugang zum wachsenden mittel – und osteuropäischen Markt für recycelte Rohstoffe aus Altreifen zu erschließen. „Genan hat sich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt – und insbesondere in den letzten drei Jahren bewiesen, dass die Recyclingbranche auch wirtschaftlich tragfähig ist. Mit der Übernahme stärken wir sowohl unsere Marktpräsenz als auch unseren Zugang zu einigen sehr attraktiven Märkten in Mittel - und Osteuropa“, erklärt Poul Steen Rasmussen, Group CEO der Genan Holding A/S.

Millioneninvestitionen in moderne Anlagentechnik

Um die Qualität der gewonnenen Sekundärrohstoffe zu steigern, plant der neue Eigentümer im kommenden Jahr signifikante Investitionen. Ein zweistelliger Millionen-Euro-Betrag fließt in die umfassende Modernisierung und den Aufbau einer technologisch neuen Produktionsanlage auf dem bestehenden Werksgelände in Weiden. Das Unternehmen greift dabei auf Erfahrungen aus einer ähnlichen Werksübernahme in Portugal zurück. Dort wurden durch gezielte Upgrades die Durchsatzkapazität, die Gesamteffizienz sowie die Umweltbilanz der Altanlage optimiert. 

„In Europa gibt es eine große Anzahl älterer Fabriken mit erheblichem Entwicklungspotenzial“, erklärt Rasmussen. Der Konzern wolle das eigene verfahrenstechnische Know-how nutzen, um den Standort Weiden auf den neuesten industriellen Stand zu bringen. Gleichzeitig sichere die Partnerschaft mit der ATU Group den langfristigen Zugriff auf erhebliche Rohstoffmengen für die Produktion. 

Rohstoffsicherung und Kreislaufwirtschaft

Für die ATU Group garantiert die Vereinbarung die langfristige und fachgerechte Entsorgung der in den eigenen Werkstätten anfallenden Altreifenmengen. Die Kooperation umfasst alle Reifen aus den Sammelpunkten Weiden und Werl, die sich nicht für eine direkte Wiederverwendung eignen. Diese Volumina werden im modernisierten Werk zu Sekundärrohstoffen für die Elastomerindustrie aufbereitet. 

„Mit Genan haben wir einen Partner gefunden, der sowohl industrielle Kapazitäten als auch technologisches Know-how und ein klares, langfristiges Engagement bietet“, betont Sebastian Jarantowski, CEO der ATU Group. 

Rezyklatqualität im Fokus von Regulatorik und Markt

Die Übernahme spiegelt eine fortschreitende Konsolidierung und Industrialisierung der europäischen Recyclingbranche wider. Angesichts steigender regulatorischer Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft gewinnt die stoffliche Verwertung von Gummiobjekten zunehmend an Relevanz.

Poul Steen Rasmussen, Group CEO Genan.(Bild:  Genan)
Poul Steen Rasmussen, Group CEO Genan.
(Bild: Genan)

„Es gibt einen zunehmenden politischen Fokus auf die Sammlung, Sortierung und Wiederverwertung von Abfällen. Dies wird im kommenden Jahrzehnt ein enormes Wachstumsfeld sein“, erklärt Rasmussen. „Der nächste große Schritt wird darin bestehen, eine noch bessere Verwertung der recycelten Rohstoffe sicherzustellen.“ Dies erfordere gezielte Investitionen in Produktionstechnologien, die eine hohe Qualität und Gleichmäßigkeit der Sekundärrohstoffe im industriellen Maßstab garantieren.

Für eine hochwertige Wiederverwendung in technischen Elastomerprodukten sind konstante Materialeigenschaften und eine hohe Reinheit der Rezyklate zwingend erforderlich. Das gewonnene Material – aufgeteilt in Gummi, Stahl und Textilfasern – findet unter anderem Einsatz in Gummimatten, Förderbändern sowie in verschiedenen industriellen Anwendungen. 

Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen und soll bald final vollzogen werden.

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